Bahrain

Sicherheitskräfte schlagen Proteste blutig nieder

Mindestens vier Menschen sollen ums Leben gekommen sein, als Sicherheitskräfte in Bahrain gegen Demonstranten vorgingen. Die Armee bezog mit Panzern Stellung.

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Im Königreich Bahrain und im Jemen kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Krawallen.

Video: Reuters
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Im Golfstaat Bahrain haben Sicherheitskräfte die Protestbewegung niedergeschlagen. Mindestens vier Menschen wurden laut Opposition in der Hauptstadt Manama in der Nacht zum Donnerstag getötet, als Sondereinheiten einen von Demonstranten besetzten Platz räumten. Während die Regierung vorgab, zuvor sämtliche Möglichkeiten eines Dialogs ausgeschöpft zu haben, kritisierte die Opposition das unangekündigte Eingreifen der Beamten.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle verurteilte die brutalen Polizeieinsätze gegen oppositionelle Demonstranten in Bahrein scharf. Die Verantwortlichen des Königreichs rief er am Donnerstag in Berlin auf, die Gewaltanwendung unverzüglich zu beenden und die protestierenden Menschen besser zu schützen. „Sie nehmen nur ihre Rechte wahr“, betonte der FDP-Chef. Er riet von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Bahrein ab. Ausländer sollten größere Menschenansammlungen meiden. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes halten sich derzeit etwa 700 Deutsche im Land auf.

Nach Angaben von Zeugen und der Opposition gingen die Sicherheitskräfte mit Tränengas, Gummigeschossen und Splitterkugeln gegen die Demonstranten auf dem Platz der Perle vor. Dort kampierten seit Dienstag etliche Menschen, um ihren Forderungen nach einem Systemwechsel Nachdruck zu verleihen. Hunderte Menschen hätten dort auch in der Nacht zum Donnerstag gezeltet, als sie angegriffen worden seien, sagte ein 37-jähriger Augenzeuge.

„Die sind gekommen, sobald die Medien weg waren. Die wussten genau, was sie taten“, sagt Mahmud Mansuri. „Wir schrien: 'Wir sind friedlich! Friedlich!' Die Frauen und Kinder wurden genauso angegriffen wie wir alle.“ Viele Familien wurden in dem Durcheinander getrennt. Ein Fotoreporter sah, wie die Polizei verirrte Kinder einsammelte und zu Fahrzeugen brachte.

Mindestens vier Schiiten kamen nach Angaben ihrer Angehöriger und der Opposition bei dem gewaltsamen Einsatz ums Leben, rund 95 Menschen wurden verletzt. Die Protestbewegung umfasst in dem gerade einmal eine Million Einwohner zählenden Bahrain die mehrheitlich schiitische Bevölkerung, die gegen die sunnitische Dynastie unter König Mohamed bin Issa al-Chalifa aufbegehrt. Sie bemängeln vor allem Diskriminierungen auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie bei den Sozialdiensten.

„Tod für al-Chalifa“, riefen Hunderte Menschen nach dem Polizeieinsatz vor dem Krankenhaus Salmanija. Andere standen dort zum Blutspenden an. Auf dem Platz der Perle bauten Sicherheitskräfte unterdessen die Zelte der Demonstranten ab. Nach Angaben von Zeugen bezogen dort Dutzende Panzer Stellung. Weitere Armee-Fahrzeuge wurden demnach aus dem Norden des Landes in die Hauptstadt beordert.

Das Innenministerium begründete das Vorgehen mit der Unnachgiebigkeit einiger Demonstranten. Der Platz sei geräumt worden, nachdem „alle Möglichkeiten eines Dialogs ausgeschöpft“ gewesen seien, hieß es in einer Erklärung, die von der amtlichen Nachrichtenagentur BNA verbreitet wurde. „Einige haben den Ort selbst verlassen, während andere sich dem Gesetz nicht fügen wollten.“ Die Armee erklärte, sie habe „Präventivmaßnahmen“ ergriffen, um die öffentliche Ordnung und Sicherheit wiederherzustellen. Der Führer der wichtigsten schiitischen Oppositionsbewegung al-Wefak, Scheich Ali Salman, sprach hingegen von einem „wilden und unberechtigten Angriff“, der „katastrophale Folgen“ für die Stabilität des Landes haben werde. Aus Protest gegen den Polizeieinsatz wollte sich der Oppositionsblock von al-Wefak noch am Donnerstag geschlossen aus dem Parlament zurückziehen, wie ein Abgeordneter sagte. Der Fraktion gehören 18 der 40 Abgeordneten im Parlament an.

Seit Beginn der Protestbewegung am Montag kamen in Bahrain sechs Menschen ums Leben. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton rief die Regierung auf, das Recht auf Versammlungsfreiheit zu achten. Sie forderte zugleich „Ruhe und Zurückhaltung“. Die Außenminister des Golfkooperationsrats beriefen für Donnerstag eine Sondersitzung in Manama ein. Nach Angaben der Regierung in Bahrain soll damit die Staatsspitze unterstützt werden.

Nach den blutigen Unruhen ist auch der Saison-Auftakt der Formel 1 im Golfstaat gefährdet. Der erste WM-Lauf soll am 13. März ausgetragen werden, bereits zehn Tage vorher (3. bis 6. März) stehen dort Tests auf dem Programm. Am Donnerstag wurde bereits das für Freitag und Samstag vorgesehene Rennen der asiatischen GP2-Serie nach den Meldungen über Zusammenstöße in der Hauptstadt Manama abgesagt. „Aufgrund der aktuellen Ereignisse wurde der Wettbewerb auf Bitten des Motorsport-Verbandes von Bahrain abgesagt“, hieß es in einer Mitteilung der Organisatoren.