Plagiatsvorwürfe

Guttenberg verzichtet vorerst auf Doktortitel

Der wegen Schummelei bei seiner Doktorarbeit unter Druck stehende Bundesverteidigungsminister Guttenberg weist die Plagiatsvorwürfe zurück. Dennoch ist er zu einer Konzession bereit.

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Bis zur Klärung der Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit will Bundesverteidigungsminister zu Guttenberg auf seinen Doktortitel verzichten.

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Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Plagiatsvorwürfe im Zusammenhang mit seiner Doktorarbeit scharf zurückgewiesen.

Er werde aber vorübergehend auf seinen Doktortitel verzichten, erklärte der CSU-Politiker in einem kurzen Statement im Verteidigungsministerium in Berlin.

Gleichzeitig entschuldigte er sich: „Sie enthält fraglos Fehler“, sagte Guttenberg über seine Dissertation. Das tue ihm „aufrichtig leid“.

Er sei über den Vorgang selbst am unglücklichsten. Zu keinem Zeitpunkt habe er jedoch „bewusst getäuscht“. Er fügte an: „Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat.“ Er habe die Arbeit in einem Zeitraum von sieben Jahren neben seiner Tätigkeit als Politiker und seinen Verpflichtungen als junger Familienvater angefertigt.

Forderungen nach seinem Rücktritt wies Guttenberg zurück. „Die Menschen in diesem Land erwarten, dass ich mich um das fordernde Amt das Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere und das kann ich auch“, sagte der Minister.

Lesen Sie hier die Erklärung Guttenbergs im Wortlaut.

In der Bundespressekonferenz gab es parallel einen Eklat. Weil Guttenberg zeitgleich im Verteidigungsministerium nach Worten seines Sprechers vor „ausgewählten Medienvertretern“ ein nicht angekündigtes Statement abgab, verließen die Hauptstadtkorrespondenten protestierend den Saal.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich zuvor hinter ihren Minister gestellt. In einem Gespräch der beiden am späten Donnerstagabend im Kanzleramt, habe die Regierungschefin dem CSU-Politiker „volles Vertrauen“ zugesagt, hieß es in Regierungskreisen.

Guttenberg soll in seiner Dissertation zahlreiche fremde Textstellen ohne korrekte Angaben verwendet haben. Plagiatsjäger listen im Internet inzwischen mehr als 80 Textstellen auf, die Guttenberg abgekupfert haben soll, ohne korrekt darauf hinzuweisen. Im schlimmsten Fall kann dafür der Doktortitel aberkannt werden. Für die Opposition wäre das ein Rücktrittsgrund.

Die Universität Bayreuth setzte ihm am Donnerstag eine Frist von zwei Wochen, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Gegen Guttenberg wurden inzwischen auch zwei Strafanzeigen gestellt. Bei der ersten gehe es um mögliche Verstöße gegen das Urheberrecht, sagte der Leitende Bayreuther Oberstaatsanwalt Thomas Janovsky. Sie sei an die Staatsanwaltschaft Hof weitergeleitet worden.

Bei der zweiten Strafanzeige gehe es um den Vorwurf falscher eidesstattlicher Versicherung. Da aber die Promotionsordnung der rechtswissenschaftlichen Fakultät keine Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung vorsehe, „ist das auch kein Grund für Ermittlungen“, sagte Janovsky.

Die Opposition forderte Auskunft, ob der CSU-Politiker für seine Doktorarbeit auch den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestags eingespannt hat. Der SPD-Abgeordnete Burkhard Lischka richtete an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Frage, wie oft und zu welchen Themen Guttenberg als CSU-Parlamentarier zwischen 2002 und 2007 dort juristische Ausarbeitungen und Literaturlisten bestellt habe. Nach Ansicht der Linken wäre das „Amtsmissbrauch“. Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz legte dem Minister im „Kölner Stadt-Anzeiger“ den Rücktritt nahe für den Fall, dass ihm der Doktortitel aberkannt wird: „Mit diesem Makel kann man nicht mehr Minister sein.“

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