Plagiatsvorwurf

Universität Bayreuth setzt Guttenberg 14-Tage-Frist

Die Hochschule Bayreuth hat Verteidigungsminister zu Guttenberg zwei Wochen Zeit gegeben, zu Plagiatsvorwürfen seiner Doktorarbeit Stellung zu nehmen.

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Innerhalb von zwei Wochen soll sich Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) zu Plagiatsvorwürfen gegen ihn äußern. Diese könnten nach Ansicht von Meinungsforschern für Guttenberg gefährlicher werden als alle bisherigen Anschuldigungen.

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Die Universität Bayreuth hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) aufgefordert, binnen zwei Wochen zu den Plagiatsvorwürfen bei seiner Doktorarbeit Stellung zu nehmen. "Wir nehmen die Vorwürfe sehr ernst“, sagte Uni-Präsident Rüdiger Bormann in Bayreuth. Es gebe keine Hinweise darauf, dass das Promotionsverfahren nicht ordnungsgemäß verlaufen sei. „Wir haben sehr strenge Qualitätsmaßstäbe“, betonte Bormann. „Wir sind gut beraten, diese einzuhalten.“

Nach den Plagiatsvorwürfen sieht sich der Verteidigungsminister mit Rücktrittsforderungen aus der Opposition konfrontiert. Linken-Chefin Gesine Lötzsch und der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagten, sie hielten einen Rücktritt für unausweichlich, falls sich die Vorwürfe bewahrheiteten.

Arnold sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“, im Fall einer Aberkennung des Doktortitels wäre Guttenbergs Glaubwürdigkeit „völlig zerstört“. Ein Minister aber, der seine Glaubwürdigkeit verloren habe, „kann nicht mehr wirklich arbeiten – im Bereich der Bundeswehr, in dem es in hohem Maße auf Vertrauen ankommt, vielleicht noch schwerer als in anderen Ressorts“.

Erler äußerte Zweifel, „ob der Minister noch die notwendige Kraft, Konzentration und Autorität besitzt, seine Amtsgeschäfte ordentlich auszuführen und die anstehenden Herausforderungen 'zum Wohle des deutschen Volkes' – so verlangt es der Amtseid – zu bewältigen“. Der Außenexperte erklärte, die „gefährliche Erosion“ von Guttenbergs Amtsautorität werde sich fortsetzen. Dies werde zwangsläufig die Frage aufwerfen, „wann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem sich die Bundeskanzlerin fragen muss, wie lange sie dieser Entwicklung noch tatenlos zusehen kann“.

Auch Linken-Chefin Lötzsch hält einen Rücktritt für den Fall für unausweichlich, dass sich die Vorwürfe gegen Guttenberg bewahrheiten. In der N24-Sendung „Studio Friedman“ sagte Lötzsch: „Wer seine Doktorarbeit gefälscht hat, indem er ohne Angabe von Quellen abgeschrieben hat, dem wird normalerweise der Doktortitel aberkannt. Und wem der Doktortitel aberkannt wird, der ist auch als Minister nicht mehr haltbar.“ Sie habe keinerlei Vertrauen mehr in den Minister. „Das Amt des Verteidigungsministers ist ja besonders wichtig. Und da braucht man eine Persönlichkeit, die wirklich auch dafür steht, was sie sagt und was sie tut.“

Dagegen forderte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) eine sachliche Aufklärung der Plagiatsvorwürfe. Die Vorwürfe „sollten ganz in Ruhe aufgeklärt werden“, sagte sie dem „Hamburger Abendblatt“. „Aufgeregte Kommentare sollten genauso unterbleiben wie Vorverurteilungen“, warnte die Ministerin.

Die Union nahm den Minister in Schutz. Unionsfraktionsvize Günter Krings (CDU) zeigte sich gegenüber dem Fernsehsender N24 überzeugt, dass die Vorwürfe politisch motiviert sind. „Es wird parteipolitisch seitens der Opposition ausgeschlachtet. Es ist lächerlich, wenn ein Wissenschaftler meint, er hätte diese Fehler routinemäßig gefunden. Man hat hier gezielt gesucht.“ Das sei lediglich „eine neue Episode in dem bekannten Spiel Schlag den Guttenberg“.

Guttenberg selbst war kurz nach Beginn der Debatte über seine Doktorarbeit zum Truppenbesuch nach Afghanistan gereist. Journalisten nahm der CSU-Politiker zum ersten Mal nicht mit, dafür aber den Verleger einer großen Zeitung.

Nach Angaben seines Ministeriums brach Guttenberg bereits am Mittwoch zu seiner neunten Reise an den Hindukusch auf. Im Norden des Landes besuchte er einen Außenposten der Bundeswehr. Der Minister informiere sich über die Lage der Bundeswehr in Afghanistan, hieß es. Begleitet werde er von einer ganz kleinen Delegation. Nach Angaben eines Sprechers des Verteidigungsministeriums war der Truppenbesuch „lange geplant“.

Hier finden Sie eine Liste einiger Werke, bei denen Guttenberg sich ohne Quellen-Hinweis bedient haben soll