Afghanistan-Einsatz

Isaf warnt vor zu hohen Erwartungen an Truppenabzug

Laut dem deutschen Isaf-Sprecher Josef Blotz hängt die Schnelligkeit des Truppenabzugs von den Afghanen ab. Die Mission werde nach 2014 andauern.

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Die Internationale Schutzgruppe für Afghanistan (Isaf) richtet sich auf erste abzugsrelevante Entscheidungen über die Verwendung ihrer Truppen im April ein. Die Bundeswehr hat seit dem 22. Dezember 2001 ein Mandat für die Beteiligung am Isaf-Einsatz.

Der deutsche Isaf-Sprecher und Bundeswehr-Brigadegeneral Josef Blotz sagte, in welchen Regionen die Übergabe der Kontrolle an die afghanischen Sicherheitskräfte begonnen werden solle, liege in der Hand der Afghanen.

Blotz warnte vor zu hohen Erwartungen an einen raschen Truppenabzug. Die ab Frühjahr beginnende Übergabe der Kontrolle an die afghanischen Sicherheitskräfte könne man "nicht reflexartig mit Abzug gleichsetzen“.

Deutsches Mandat "tragbar"

"Wir werden darauf achten, wie es von der Hand geht“, sagte er bei einer Videokonferenz, die auf den Stützpunkt der U.S. European Command in Stuttgart-Vaihingen übertragen wurde. Die Übergabe könne beides bedeuten. Truppenteile könnten entweder freigestellt werden für den Abzug oder sie könnten weiterhin vonnöten sein, um andere Distriktteile übergabereif zu machen.

In Bezug auf das deutsche Mandat sagte Blotz, er denke die Formulierungen, die man in der Mandatsverlängerung gefunden habe, seien "durchaus tragbar“.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai will am 21. März bekannt geben, wo afghanische Sicherheitskräfte mit der Übernahme der Kontrolle beginnen werden. Die Übernahme der Sicherheitsverantwortung durch die Afghanen gilt als Voraussetzung für den Abzug der heute rund 150.000 ausländischen Soldaten. Bis Ende 2014 will Karsai die Sicherheitsveranwortung im ganzen Land übernommen haben.

Isaf will während Übergabeprozess flexibel bleiben

Der Übergabeprozess in einer Provinz könne etwa anderthalb Jahre dauern, sagte Blotz. Die zweite Übergabephase mit einer weiteren Gruppe von Provinzen soll in der zweiten Hälfte des Jahres erfolgen. Bis 2014 werde die Isaf aber definitiv abschmelzen, betonte Blotz.

"Wo, in welchem Maße, mit welcher Geschwindigkeit und welcher Struktur, das wissen wir noch nicht“, sagte er. Man wolle die Flexibilität bewahren, diesen Prozess zu steuern, und wolle sich nicht von den Ereignissen überrollen lassen.

Aber auch nach 2014 werde die Isaf-Mission nicht zu Ende sein, sagte der General weiter. "2014 markiert den Zeitpunkt, zu dem diese Mission anders wird, ein anderes Gesicht erhält“, sagte er. Das Engagement werde sich vor allem auf Ausbildung und Training und Unterstützung konzentrieren.

Mehrheit der Afghanen lebt in "relativer Sicherheit"

Inzwischen seien 152.000 afghanische Soldaten und 119.000 afghanische Polizisten ausgebildet, 70.000 mehr als noch vor einem Jahr. Außerdem seien 43.400 in der Ausbildung.

Dies sei mehr, als man erwartet habe, so Blotz. Der Input, mit dem seit Ende 2009 auf die Defizite in der Versorgung der ISAF reagiert worden sei, zahle sich aus.

Zur aktuellen Sicherheitslage sagte Blotz, 65 bis 70 Prozent aller sicherheitsrelevanten Vorfälle kämen in drei von 34 Provinzen vor, im Osten und im Süden des Landes. Die überwiegend größte Mehrheit der Afghanen lebe in relativer Sicherheit.