General Well-Being

Premier Cameron misst das Glück seiner Bürger

Der britische Staatschef David Cameron möchte mit dem Glücksindex der Gesellschaft die allgemeine Zufriedenheit der Bürger erforschen.

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Am Tag, nachdem die britische akademische Jugend landesweit auf die Straße gegangen war, um zu demonstrieren, wie unglücklich sie mit der Erhöhung der Studiengebühren sei; am Tag, an dem der Winter vorzeitig einzog – just an diesem Tag wagte es Regierungschef David Cameron, vor die Nation zu treten und anzukündigen: Ich werde euer Wohlbefinden ausforschen lassen, um zu sehen, wie die Politik es heben kann.

Tatsächlich hat Cameron das Nationale Statistikamt beauftragt, einen Fragebogen zu entwickeln, mit dessen Hilfe sich der Glücksindex der Gesellschaft messen ließe. Eine Lieblingsidee von ihm. Schon 2005, gerade Tory-Chef geworden, verkündete er: "Es ist an der Zeit, sich klarzumachen, dass mehr am Leben hängt als nur Geld. Es ist Zeit, dass wir uns nicht nur auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) konzentrieren, sondern auch auf unser allgemeines Wohlbefinden“, das "general well-being“ (GWB).

Diesmal holte er sich Schützenhilfe bei Robert Kennedy, dem jüngeren der beiden ermordeten Kennedy-Brüder. "Das BIP“, so hatte dieser einst gesagt, "gibt keine Auskunft über die Gesundheit unserer Kinder, die Qualität ihrer Erziehung oder ihre Freude beim Spielen. Kurz: Es misst alles, nur nicht das, was das Leben lebenswert macht.“

Der Premierminister fragt sich, warum das Glücksempfinden westlicher Gesellschaften über Jahrzehnte hinweg statisch geblieben ist, obwohl sich ihr Wohlstand vermehrt hat. Wirtschaftswachstum kann wohl nicht die einzige Messlatte für Fortschritt sein. In der Tat spricht ja auch das "Streben nach dem Glück“ der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung andere als nur materielle Ziele an. Zum Beispiel eine familienfreundliche Umwelt, wie Cameron glaubt. Das Echo ist geteilt: Hier Applaus, dort Unmut, dass er ausgerechnet in Zeiten rabiater Haushaltskürzungen danach fragt, wie glücklich die Menschen mit ihrem Leben seien.