Sex-Affäre

Parlament schützt Berlusconi vor pikanter Razzia

Die Räume von Berlusconis "Kassenwart" dürfen nicht auf Material zur jüngsten Sex-Affäre hin durchsucht werden. Doch es gibt neue Probleme.

Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi muss möglicherweise pikantes Material über eine Sexaffäre nicht offenlegen. Das Abgeordnetenhaus in Rom lehnte am Donnerstag einen Antrag der Mailänder Staatsanwälte ab, die Räume des Finanzexperten und Vertrauten Berlusconis, Giuseppe Spinelli, durchsuchen zu dürfen.

Spinelli soll als der „Kassenwart“ Berlusconis junge Mädchen bezahlt haben, die dann an orgienhaften Festen in einer Villa des 74-jährigen Medienmoguls teilgenommen hätten, vermuten die Ermittler. Den Antrag befürworteten 298 Parlamentarier, 315 stimmten dagegen. Der Regierungschef wird von der Staatsanwaltschaft der Begünstigung der Prostitution und des Amtsmissbrauchs verdächtigt; zudem soll er Sex mit mindestens einer Minderjährigen gehabt haben.

Nach Annahme der Ermittler hat er mehrfach zahlreiche junge Mädchen - darunter auch die damals noch minderjährige Marokkanerin „Ruby“ - gegen Bezahlung, auf sein Luxusanwesen nach Arcore bei Mailand eingeladen. Die Staatsanwaltschaft will deswegen Anfang der kommenden Woche ein Schnellverfahren gegen Berlusconi beantragen.

Der Druck auf Berlusconi nimmt aber nicht nur wegen der „Ruby-Affäre“ weiter zu. Am Donnerstag scheiterte in einer Kommission der Abgeordnetenkammer ein Regierungsdekret zur Föderalismusreform, die vor allem Berlusconis Koalitionspartner Umberto Bossi von der Lega Nord am Herzen liegt. Die Reform scheint mit dem Votum der Kommission allerdings noch nicht vom Tisch. Der Rechtspopulist Bossi hatte mehrfach damit gedroht, aus der Koalition mit Berlusconis Partei PDL („Volk der Freiheit“) auszutreten und Neuwahlen zu wollen, sollte die Reform scheitern, die den Gemeinden mehr Steuereinnahmen brächte.