Punktesystem

Bsirske fordert Zuwanderer für soziale Berufe

Der Verdi-Chef will Zuwanderung von Fachkräften mit einem Punktesystem regeln. Auch Ursula von der Leyen sieht großen "Handlungsdruck".

Verdi-Chef Frank Bsirske hat sich dafür ausgesprochen, die Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland mit einem Punktesystem zu regeln. „Kanada und Australien mit den Systemen regulierter Zuwanderung durch ein Punktesystem geben durchaus Vorbilder ab“, sagte Bsirske.

Die schwarz-gelbe Koalition hatte das Konfliktthema Zuwanderung kürzlich vertagt, weil sie sich in dem Punkt nicht einigen konnten. Auch die FDP ist für ein Punktesystem. Zudem will sie die Mindesteinkommensgrenze für qualifizierte Kräfte aus dem Ausland von 66.000 Euro auf 40.000 Euro senken. Das lehnen CDU und CSU ab.

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält die Anwerbung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland für unumgänglich. „Das Thema steht vor der Tür und kann nicht auf die lange Bank geschoben werden“, sagte die Ministerin den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe. Es gebe großen „Handlungsdruck“. Deutschland werde in den nächsten 15 Jahren fünf Millionen Arbeitnehmer weniger haben.

„Mein größter Kronzeuge ist der Mittelständler, der trotz langer Suche im Inland keine Leute mehr findet“, sagte von der Leyen weiter. Trotz aller notwendigen Anstrengungen für mehr Frauen und ältere Arbeitnehmer und trotz der Förderung von gering Qualifizierten „werden wir auf lange Sicht nicht ohne qualifizierte Zuwanderer auskommen“.

Die Unionspolitikerin kündigte an, 2011 auf mehreren Touren in den Regionen und auch in ihrer eigenen Partei für die Anwerbung von Fachkräften zu werben. Der Diskussionsprozess müsse behutsam geführt werden. In der Integrationsdebatte stünden jedoch zu sehr alte Fehler bei der Integration im Vordergrund. „Wir müssen aus alten Fehlern lernen, aber das Thema lässt sich nicht vertagen“, fügte die Ministerin hinzu. Als positives Beispiel nannte sie die „Boatpeople“ aus Vietnam. „Die sind gut integriert, die Kinder haben zumeist hervorragende Schulabschlüsse – eine Generation, die fleißig arbeitet und unser Land mit trägt.“

Bsirske sagte, am deutlichsten gebe es einen Fachkräftemangel in den sozialen Berufen. Er nannte Lehrkräfte, Erzieher, Krankenpfleger, Ärzte und Altenpfleger als Beispiele. „Das sind Bereiche, in denen deutlich mehr investiert werden muss, um die finanzielle Attraktivität der Berufe und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.“

Die sozialen Berufe seien bislang klassische Frauenberufe. Es sei nötig, diese geschlechtsspezifische Ausrichtung aufzubrechen, sagte Bsirske. Zudem müsse dafür gesorgt werden, dass Kinder und Jugendliche mit ausländischen Wurzeln in Deutschland bessere Chance auf einen Bildungs- und Berufsabschluss bekämen.

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