Als Bill und Hillary Clinton 1992 auf Wahlkampfreise durch Amerika gingen, begleitete sie ein Song von Fleedwood Mac, „Don't Stop (Thinking About Tomorrow)“. Es focht sie nicht an, dass ihr Aufbruchsstimmungslied geeigneter war, eine Versicherung anzupreisen, wie eine der Sängerinnen der Popband bemerkte. Für den Präsidentschaftswahlkampf 2008 hat Hillary leichtsinnigerweise ihren Anhängern die Wahl ihres Erkennungssongs übertragen.

Das Ergebnis ist niederschmetternd: „You and I“ von der kanadischen Sängerin Celine Dion vereinigte auf der Webseite Hillarys eine Mehrheit von 200.000 Stimmen auf sich. Der blutleere Song würde Merre schwingender Feuerzeuge entzünden - wäre nicht das Rauchen in Amerika verboten. Die Kolumnistin Maureen Dowd nennt ihn „das Schlimmste aus Las Vegas und Kanada“. "You and I" grenzt an grausame und unübliche Bestrafung, welche die US-Verfassung ächtet.

26 Prozent der Amerikaner können Hillary auf den Tod nicht ausstehen

Hillary Clinton muss fortan damit leben. Immerhin hatte sie am 16. Mai, als sie per Video den Wettbewerb verkündete, hoch und heilig und ironisch versprochen: „Welcher Song auch immer gewählt wird (...), ich werde ihn niemals öffentlich singen.“ Dann zeigte Video einen Amateurfilm, der auf YouTube zu beachtlichem Ruhm gelangte: Hillary singt die Hymne, so grauenhaft schief, dass es einer Beleidigung von Hohheitszeichen gleichkommt.

Hillary versteht Spaß, lautete das Signal, sie nimmt sich selbst auf die Schippe. Und diese Botschaft hat sie nicht nur bitter nötig, sie ist hochpolitisch dazu. Hillary polarisiert: sie wird von je 42 Prozent der Amerikaner ebenso herzlich gemocht wie verachtet. 26 Prozent können sie auf den Tod nicht ausstehen. 18 Prozent schätzen sie über alle Maßen schätzen. Das sind gefährliche Werte für die aussichtsreichste Kandidatin der amerikanischen Demokraten.

Kalt, skrupellos, machtversessen, humorlos, so ähnlich lauten die Assoziationen, die ihre Gegner mit Mrs. Clinton verbinden. Auch in der eigenen Partei, auch bei Wählern, die Bill Clinton lieben. „You and I“? Eher „I, me, mine“. Hillary Clinton könnte über ihre Frisur und die Farbe ihrer Hosenanzüge abstimmen lassen, ohne das ihr Image freundlicher würde. Also versucht sie es mit Satire.

Die würdige Haltung als betrogene First Lady - ein Vorbild?

Das jüngste Video, in dem sie ihr Schlachtlied bekannt gibt, zeigt sie als Carmela Soprano, Gattin des Mafioso Tony in der gerade ausgelaufenen TV-Kult-Serie „The Sopranos“. Wie die rätselhafte Schlußszene der Serie, über die sich am 10. Juni halb Amerika erregte, sitzt Hillary in einem billigen Restaurant, während im Hintergrund „Don't Stop Believing“ (wie wäre das als Themensong?) dudelt. Bill Clinton, bekannt als Fastfood-Freund und Herzpatient, sitzt ihr gegenüber, lustlos an Karotten nagend („Keine Zwiebelringe?“ – Hillary: „Ich achte eben auf Dich“), während Hillary die Musikbox nach ihren Titeln absucht. „Wie geht der Wahlkampf?“, fragt Bill. - „Wie Du immer sagst: Konzentriere Dich auf die guten Zeiten.“ Gangstertypen lungern herum, Attentat liegt in der Luft. Dann wird der Schirm schwarz.

So offen endeten auch, zum Entsetzen vieler Fans, die „Sopranos“. Es gab Lob für die etwas steinerne Hillary (und den begnadet entspannten Bill) und für die Kühnheit, mit ihrem Image als Power-Paar, das gewissermaßen über Leichen geht, und der mörderischen Mafia von New Jersey zu spielen.

Maureen Dowd, die sich in ihrer Geringschätzung für Hillary von niemandem übertreffen läßt, spottete, Hillary verlange als Schmerzensgabe das Weisse Haus wie Carmella Soprano ihren Goldschmuck. Sie erinnert daran, dass Carmella, die ständig Betrogene, in der dritten Staffel gegenüber Freundinnen einmal Hillary Clintons würdige Haltung als betrogene First Lady rühmte, als „Vorbild für uns alle“.

Das ist lange her. Ob die Selbstironie der Clintons, deren Eheprobleme von der amerikanischen Öffentlichkeit nicht vermisst werden, sich bezahlt macht oder eher als neue Munition für ihre Gegner taugt, ist offen. Bleibt die Frage: Kann man „You and I“, in einer Art Hillary-Volksbegehren, abwählen?

Stimmen Sie ab auf www.hillaryclinton.com