Sängerin Madonna hat einen Countdown auf ihrer Webseite. Er zählt die Zeit runter, bis George W. Bush aus dem Weißen Haus ausziehen muss. Am 20. Januar 2009 wird er den Schlüssel an den neu gewählten US-Präsidenten übergeben. Verlinkt ist die Uhr mit dem Urheber, der New Yorker Internetseite Backwards Bush (Bush rückwärts).
Viele Amerikaner können die Wahl eines neuen Präsidenten kaum abwarten. US-Verlage und kleinere Unternehmen haben auf den Trend reagiert und bringen Anti-Bush-Bücher, Bye-Bye-Bush-Kalender, Autoaufkleber und Postkarten auf den Markt. Diese fassen die denkwürdigsten Zitate und amüsantesten Fotos zusammen.
Backwards-Bush-Gründer Vince Ponzo und seine Verlobte Meredith Stricker waren die Ersten, die die Idee hatten, Bushs Tage zu zählen. Gleich nach der Wahl zu seiner zweiten Amtsperiode im November 2004 entwickelten sie ihre Internetseite. Sukzessive bauten sie das Onlinegeschäft aus. Ponzo vermarktet T-Shirts, Schlüsselanhänger und Uhren, die die verbleibenden Tage und Stunden dokumentieren. Die Seite hat 80.000 Besucher pro Tag.
Über 100.000-mal weltweit verkauft haben sich die Schlüsselanhänger mit integriertem Countdown. Besitzer sind etwa der ehemalige US-Präsident Bill Clinton und Präsidentschaftsanwärter Hillary Clinton und Barack Obama sowie der Demokrat Al Gore. Sogar der Präsident selbst hat welche: Bushs Stabschef Joshua Bolten hat die kleinen Anhänger zur Motivation verteilt. "Damit jeder weiß, dass wir noch jede Menge Tage haben", sagte Bolten der amerikanischen Zeitschrift "US News". Besonders beliebt sind die Uhren in New York und Kalifornien.
Der "Out of Office Countdown Calendar 2007" des Buchverlags Sourcebooks aus Illinois war vergangene Saison der meistverkaufte Wandkalender seines Segments. "Während einer Plauderstunde beim Verleger sprachen wir darüber, was für ein furchtbarer Präsident Bush doch ist, und jemand fragte seufzend: 'Wie lange noch?'", sagt Deborah Werksman, Autorin des Kalenders und Editorial Manager bei Sourcebooks.
Heiß diskutiert wurde der Kalender in linken Blogs wie Americablog, Political Wire, Raw Story und TalkLeft. Als er fertiggestellt war, schickte der Verlag einige Hundert Exemplare an demokratische Senatoren, Mitglieder des Weißen Hauses und bekannte Journalisten. Auch der Präsident bekam einen. Von ihm gab es allerdings kein Dankesschreiben. Andere Republikaner versprachen, das Präsent an liberale Freunde zu verschenken.
Ablästern hat Tradition
"Politische Satire hat in Amerika eine lange, illustre Tradition", sagt Werksman. Sie muss es wissen: Vor ihrem Job bei Sourcebooks war sie Mitgründerin und langjährige Herausgeberin des bekannten Satire-Magazins "The Quayle Quarterly". Der 44. Vizepräsident Dan Quayle wurde, wie George W. Bush heute, häufig wegen seiner einfältigen sprachlichen Fähigkeiten kritisiert. So korrigierte er einen Jungen an einer Schule vor laufenden Kameras, dass er das korrekt geschriebene englische Wort für Kartoffel, "potato", noch durch ein "e" ergänzen solle. Das Magazin wurde 1992 mit Quayles Amtsende eingestellt.
Bush rede schneller, als sein Gehirn denke, sagt Werksman. Ihr ist vor allem eine Aussage Bushs im Gedächtnis geblieben: "Wenn das hier eine Diktatur wäre, wäre es ein gutes Stück einfacher", sagte Bush am 18. Dezember 2000.
Vor wenigen Wochen hat Sourcebooks eine Neuauflage des Kalenders für 2008 herausgebracht. Rund 400.000 Stück hat der deutsche Großhändler Libri auf Lager. Sourcebooks hat zum Thema mehrere Bücher veröffentlicht, im Herbst soll ein Postkarten-Band folgen.
Auf der Anti-Bush-Welle reiten auch die Verlage Chroniclebooks aus San Francisco (Kalifornien) und Andrews McMeel Publishing aus New Jersey. Chroniclebooks hat Magnete für Autos auf den Markt gebracht. Sie sind ausverkauft. Gerade publiziert ist der Abreißkalender "Bye-Bye Bush" für 2008.
McMeel Publishing verfügt über ein ganzes Sortiment an Bush-Produkten: Angefangen von einer Bush-Figur als Pappmännchen mit anklebbaren Zitaten über Bücher bis hin zu einem Computerprogramm, das Bushs Tage abzählt. Gestartet mit dem ersten Bush-Kalender ist der Verlag bereits 2004. "Jetzt haben wir verschiedene Variationen von Bush-Kalendern", sagt Michael Nonbello, Vizepräsident bei McMeel Publishing.
"Die Menschen sind sehr enttäuscht und frustriert mit der Leistung, die Bush gezeigt hat", sagt Tom Ruprecht, Verfasser einer erfundenen, unautorisierten Bush-Biografie. "Das Beste, was ich machen kann, ist, Spaß aus ihm zu machen", sagt der Autor der "Late Night Show" von David Letterman. Besorgt um eine Reaktion Bushs ist der achtmal für den Fernsehpreis Emmy nominierte Humorist nicht: "Ich glaube nicht, dass er ein Buch liest."


