Bei dem Taliban-Angriff in Nordost-Afghanistan sind nach jüngsten Angaben der Polizei eine Deutsche, sechs Amerikaner und ein weiterer Ausländer getötet worden. Der Polizeichef der Provinz Badachschan, Agha Nur Kentus, sagte, zu dieser Erkenntnis sei man nach Erhalt der Leichen gekommen.
Auch zwei Afghanen seien getötet worden. Kentus hatte zunächst von sechs getöteten Deutschen, zwei Amerikanern und zwei Afghanen gesprochen. Bei dem deutschen Opfer soll es sich um eine Frau handeln. Die zehn Mitarbeiter sollen zu einer ausländischen Hilfsorganisation gehört haben.
Das Auswärtige Amt und die US-Botschaft bestätigten die Opferzahlen zunächst nicht. „Wir arbeiten an der Klärung der Informationen“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Es lägen aber noch keine belastbaren Angaben vor.
Die Opfer hätten für die Augenklinik Noor in Kabul gearbeitet, die von der christlichen Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM) betrieben werde, hieß es. Die Taliban bekannten sich zu der Tat. Kentus sagte, die Gruppe habe sich vor etwa zwei Wochen auf den Weg in die entlegene Bergregion gemacht; zu der Tat sei es am Donnerstag gekommen.
Zunächst war Kentus davon ausgegangen, dass der Vorfall selber bereits zwei Wochen zurücklag. Die Taliban übernahmen die Verantwortung für die Bluttat. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte, es habe sich um „christliche Missionare“ gehandelt, die Geheimdienstinformationen in der Gegend gesammelt hätten. „Wir haben Spionagedokumente bei ihnen gefunden.“
IAM teilte auf der Homepage mit, vermutlich seien die Opfer einheimische und ausländische Angehörige eines mobilen Augenarzt-Teams. Nach ihrer medizinischen Arbeit in der Provinz Nuristan, die an Badachschan angrenzt, sei die Gruppe auf dem Rückweg nach Kabul gewesen. Man hoffe, dass „diese Tragödie“ nicht dazu führe, dass IAM nach 44 Jahren im Land die Arbeit einstellen müsse.
IAM gibt als zentrale Werte unter anderem „Abhängigkeit von Gott“ und „Liebe für alle“ an. Auf der Homepage schreibt die Organisation, alle ausländischen Mitarbeiter seien Freiwillige.
In der Region sind Aufständische und kriminelle Banden aktiv
Kentus sagte, ein Afghane aus der Gruppe, der den Überfall überlebte, habe sich zur Polizei in Badachschan durchgeschlagen. Er sagte weiter unter Berufung auf den überlebenden Afghanen namens Sayedullah: „Die Angreifer, die alle lange Bärte hatten, durchsuchten die Ausländer erst und erschossen sie dann.“ Die Leichen seien neben den Geländewagen der Opfer gefunden worden. In der Region sind neben Aufständischen auch kriminelle Banden aktiv.
Die Provinz Nuristan grenzt im Osten an Pakistan an und gilt in weiten Teilen als unsicher. Nördlich von Nuristan liegt die verhältnismäßig ruhige Provinz Badachschan. Badachschan gehört zum Verantwortungsbereich der Bundeswehr in Nordafghanistan. Nuristan ist Teil des amerikanisch geführten Regionalkommandos Ost der Internationalen Schutztruppe ISAF.
dpa/AFP/jm





