Ex-Bischöfin

Käßmann findet immer noch nichts gut in Afghanistan

Gut ein Jahr nach ihrer umstrittenen Neujahrspredigt erneuert die ehemalige hannoversche Landesbischöfin ihre Kritik am Einsatz der Bundeswehr.

Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Margot Käßmann, hat den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan erneut kritisiert. „Es ist bedrückend, dass sich nichts verändert hat, außer dass noch mehr Opfer zu beklagen sind“, sagte die Theologin der „Leipziger Volkszeitung“. Noch immer sei nicht klar, wie die zivile Aufbaustrategie eigentlich aussehen und wie die Korruption bekämpft werden solle.

„Es geht immer wieder nur um militärische Lösungen“, sagte Käßmann. Zwar werde jetzt auch vom Truppenabzug gesprochen, doch wie der Frieden in Afghanistan aussehen soll, das wisse man nicht. „Was ich als Christin erneut anmahne, ist die Erkenntnis, dass man mit Waffen keinen Frieden schaffen kann“, sagte sie.

Käßmann hatte vor knapp einem Jahr eine heftige Kontroverse um den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ausgelöst, als sie in ihrer Neujahrspredigt sagte: „Nichts ist gut in Afghanistan“ und eine Abkehr von der „Logik des Krieges“ forderte.

Für die Predigt wurde Käßmann von der Universität Tübingen mit der Auszeichnung „Rede des Jahres 2010“geehrt. Mit ihrer Predigt in der Frauenkirche Dresden habe Käßmann in unkonventioneller Weise im Gewand einer Predigt eine unbequeme politische Rede gehalten, die bundesweit Wellen geschlagen habe, teilte das Seminar für Allgemeine Rhetorik mit.

Käßmann habe die Jahreslosung „Euer Herz erschrecke nicht“ zum Ausgangspunkt einer „ungewöhnlich realistischen, erfrischend lebensnahen und undoktrinären Neujahrspredigt“ gemacht, heißt es zur Begründung.

Die Auszeichnung „Rede des Jahres“ wird seit 1998 jährlich vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen vergeben. Bisherige Preisträger waren unter anderem Papst Benedikt XVI., der Schriftsteller Martin Walser, der ehemalige Außenminister Joschka Fischer (Grüne) und der Tübinger Theologieprofessor Eberhard Jüngel. Mit dem Preis würdigt das Seminar eine Rede, die Einfluss auf die politische, soziale oder kulturelle Diskussion hat.