Obama oder McCain

Familie Schwarzenegger im Wahlkampf-Spagat

| Lesedauer: 6 Minuten
Torsten Krauel

Obama gegen McCain – der Wahlkampf in den USA spaltet nicht nur das Land, er spaltet auch eine Familie. Arnold Schwarzenegger und seine zwei Söhne sind für John McCain, seine Frau Maria Shriver und die zwei Töchter für Barack Obama. Ein Zeichen von Demokratie, sagen sie. Und notfalls lassen sie Pappfiguren kämpfen.

Mehr als eine Woche ist seit Hillary Clintons Verzicht auf ihre Bewerbung für das Weiße Haus vergangen, und man hat seither wirklich keinen Mucks von ihr gehört. Auch nicht von Bill Clinton oder von ihrer Tochter Chelsea. Hinter den Kulissen, so ist zu hören, telefoniert Hillary aber mit ihren bisherigen Großspendern. Sie sollen nun für Barack Obama Geld sammeln.

Die Anrufe erfolgen nicht ohne Anlaß. John McCain, der nominierte Kandidat der Republikaner, umwirbt Clintons Anhänger ebenfalls. Bis zu 60 Prozent dieser Demokraten hatten bei den letzten Urwahlen angegeben, im Fall der Nominierung Barack Obamas entweder am 4.November gar nicht zu wählen, oder aber für McCain als Präsident zu stimmen. McCain testet nun die Wasser. Er hat am Wochenende Fühler zu Clinton-Aktivisten ausgestreckt, genauer: Er hat sich mit ungefähr 75 von ihnen in seinem Wahlkampfhauptquartier getroffen, aufsässigen und etwas egozentrischen Randfiguren der Demokraten zunächst, und ihnen sein politisches Hohelied gesungen. Das war etwas riskant, weil er vor der Gruppe nach Auskunft von Teilnehmern Positionen vertrat, die im Gegensatz zu seinen Äußerungen vor Republikanern stehen.



Unberechenbarer, toleranter Einzelkämpfer


Es ist für McCain kein Widerspruch. Er will sein Image als unberechenbarer, aber toleranter Einzelkämpfer festigen, dem je nach Lage mal konservative, mal liberale Argumente wichtig sind; darauf beruht sein Ruf als überparteilicher Moderator. Die Strategie hat zum Ziel, konservativen wie Mitte-Wählern den Eindruck zu verschaffen, er verstehe ihre Anliegen, und er trage niemandem eine gegensätzliche Auffassung nach.

Es ist kein leichtes Unterfangen in einer Republikanischen Partei, deren rechtskonservativer Flügel so intolerant oder besser, so sendungsbewusst aufzutreten gelernt hat wie der linksliberale Flügel der Demokraten. Die Grenze zur Wahrnehmung als Opportunist ist dünn. Barack Obama hat freilich ähnliche Probleme. Er kommt selber aus dem eher linken Spektrum der Demokraten, gibt sich jedoch jede erdenkliche Mühe, den nach acht Jahren Bush und Cheney fast rachsüchtigen Linksliberalen schonend nahezubringen, er müsse und wolle am 4.November auch die Stimmen von Republikanern für sich gewinnen. Seine glänzende Redegabe überdeckt das bislang, aber in manchen Zirkeln der Demokraten rumort es leise.



Gespaltene Schwarzeneggers

McCains und Obamas auf Ausgleich bedachter Ton führt, wie die „New York Times“ nun am Wochenende schrieb, in der Familie des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger zu einer plakativen optischen Konsequenz. Die Familie Schwarzenegger ist öffentlich in ein McCain- und ein Obama-Lager gespalten. Sie ist das aber auf gänzlich ungiftige Weise, ganz und gar zivil, ohne die polemischen Grabenkriege, die seit 1994 für die amerikanische Parteienlandschaft so charakteristisch geworden sind.


Schwarzeneggers Frau Maria Shriver und die beiden Töchter sind für Barack Obama, Arnold und die beiden Söhne sind für McCain. Am Pfosten des Tores zum Familiensitz in Los Angeles hängen Wahlplakate für beide Kandidaten. Arnold organisiert für McCain Spendendinner, Maria ist als mögliche Chefin des kalifornischen Obama-Wahlkampfstabs im Gespräch.

Es wäre verwunderlich gewesen, hätte Maria Shriver sich anders entschieden. Sie ist eine Nichte John F. Kennedys und dessen Bruder Senator Edward, der die Familie Kennedy Anfang Februar ins Obama-Lager führte. Sie ist natürlich auch eine Cousine Caroline Schlossbergs, der Tochter des ermordeten Präsidenten, die zusammen mit ihrem Onkel und Familienoberhaupt die Entscheidung pro Obama bekanntgab und derzeit für diesen auf der Suche nach einem möglichen Vizepräsidenten ist.


Doch der Ton in der Familie Schwarzenegger macht die Musik. Es gelang der „New York Times“, die notorisch pressescheue Familie zu befragen. Arnold Schwarzenegger vertraute ihr an, Maria habe ihn eines Nachmittags von einer Pferdeshow in Palm Springs angerufen. Ob es ok sei, wenn sie heute abend in Los Angeles mit Obama aufträte? Klar, habe Arnold erwidert. „Du musst das sogar.“ Am Abend hielt Maria Shriver auf Obama eine sprühende Rede, in der sie ihn als Verkörperung Kaliforniens bezeichnete. „Gemischte Herkunft. Offener Geist. Smart. Unabhängig. Schert sich nicht um Tradition. Innovativ. Inspirierend. Träumer. Führungsstark.“



Kampf der Pappfiguren


Das Schöne an diesem Wahlkampf sei, sagte sie der „New York Times“, dass „unsere Kinder merken, wir leben nicht in einem Einparteienstaat. Dass es zwei Seiten der Medaille gibt. Dass es darauf ankommt, geduldig Kompromisse zu suchen.“ Sie sagte das sogar auch mit Blick auf ihre eigene Herkunft aus dem Demokraten-Adel. „Ich bin aufgewachsen mit der Idee, es gebe nur eine einzige richtige Sichtweise. Das ist aber nicht so.“

In Kalifornien soll der Wahlkampf 2008 seine Symbolik bekommen: Nur einer der beiden Kandidaten wird gewinnen, aber die Verlierer sind trotzdem alle Mitglied der amerikanischen Familie. McCain braucht solche Symbolik derzeit mehr als Obama. Er liegt bei den Finanzen fast hoffnungslos hinter seinem Gegner zurück. Es halten sich Gerüchte, Obama werde im Juni hundert Millionen Dollar einnehmen, das wäre fast so viel, wie McCain seit Jahresanfang gesammelt hat. Demokraten-Parteichef Howard Dean hat seit 2004 das Ziel vorgegeben, seine Partei in allen fünfzig Bundesstaaten wettbewerbsfähig zu machen und die Republikaner so zur Verzettelung ihrer knappen Ressourcen zu zwingen. Obamas Geldmaschine lässt das Ziel allmählich realistisch erscheinen. Vielleicht muss McCain doch noch zu Polemik Zuflucht nehmen, um die kampfgewohnte konservative Basis zu Spenden zu bewegen.

Für den Fall, dass Schärfe in den Wahlkampf kommt, hat die Familie Schwarzenegger bereits einen Plan, wie damit umzugehen sei. Sie wird zwei Pappkameraden mit dem Konterfei McCains und Obamas im Hause aufstellen. Tritt einer der beiden dem anderen rhetorisch zu nahe, kommt die Pappfigur bei Schwarzeneggers zur Strafe hinaus in den Garten.

Alle Informationen zum Wahlkampf in den USA finden Sie in unserem WELT-ONLINE-Dossier.

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