„Dass dieses Land zu unseren Lebzeiten von Verrätern übernommen wird, ist unmöglich und wird niemals passieren“, sagte Mugabe anlässlich der Beerdigung eines Veteranen des Unabhängigkeitskampfes der 70er-Jahre. „Wir sind bereit, für dieses Land zu sterben und in den Krieg zu ziehen“, ergänzte der 84-Jährige, der seit der Unabhängigkeit im Jahr 1980 an der Macht ist. Die oppositionelle Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) warf Mugabe am Sonntag vor, ihren Wahlkampf durch „aggressive Taktiken“ zu behindern.
Mugabe brandmarkte seinen politischen Rivalen, den MDC-Chef Morgan Tsvangirai, erneut als Marionette der früheren britischen Kolonialmacht. „Weder direkt noch indirekt – dieses Land soll nie wieder unter Herrschaft und Kontrolle eines weißen Mannes sein. Niemals“, sagte er. Mit Blick auf den erneuten Appell des britischen Premierministers Gordon Brown zu einem Ende von Gewalt und Unterdrückung in Simbabwe fügte Mugabe hinzu: „Brown (...) mischt sich weiter in unsere inneren Angelegenheiten ein und macht uns zum Gegenstand britischer Politik, als wenn wir immer noch eine britische Kolonie wären.“
Nach Informationen der südafrikanischen Zeitung „Sunday Times“ dürfen Polizisten, Soldaten sowie deren Frauen nur in Anwesenheit von Vorgesetzten wählen. Zudem müsse die Bevölkerung Satellitenschüsseln demontieren, damit sie nicht mehr vom Ausland ausgestrahlte Botschaften der Opposition sehen könne.
Die „Sunday Times“ berichtete darüber hinaus über einen ihr zugespielten Plan des simbabwischen Geheimdienstes, der systematischen Terror zur Einschüchterung von Bevölkerung und Opposition vorsieht. So sollten Politiker der MDC systematisch eingeschüchtert und ihre Anhänger verschleppt, gefoltert und getötet werden. Mugabe drohe ohne nachhaltige Einschüchterung der Bevölkerung ein Verlust der Stichwahl ums Präsidentenamt am 27. Juni. Sie wurde nötig, da weder Mugabe noch sein Konkurrent Morgan Tsvangirai von der MDC im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erreicht hatte.
Seit dem ersten Wahlgang im März, bei dem Tsvangirai zwar überraschend die meisten Stimmen erhalten, die absolute Mehrheit nach offiziellen Angaben aber verfehlt hatte, drangsaliert die Regierung mit Hilfe der Sicherheitskräfte Tsvangirais Lager und schüchtert die Bevölkerung ein, wie Menschenrechtsgruppen und westliche Beobachter immer wieder kritisieren. Der MDC-Chef wurde in den vergangenen Wochen wiederholt von der Polizei festgenommen und verhört. Auch am Samstag musste er sich zusammen mit elf weiteren MDC-Mitgliedern für mehrere Stunden vernehmen lassen, nachdem die Gruppe an einer Straßensperre abgefangen worden war.
In Harare wurde MDC-Generalsekretär Tendai Biti in Handschellen und Fußeisen sowie unter schwerer Bewachung einem Haftrichter vorgeführt. Biti war am Donnerstag nach seiner Rückkehr von einem zweimonatigen Auslandsaufenthalt festgenommen worden und seitdem aus der Öffentlichkeit verschwunden. Ihm wird nach Polizeiangaben die illegale Verbreitung von Wahlergebnissen und Hochverrat vorgeworfen – darauf steht bei einer Verurteilung die Todesstrafe. Er wird heute erneut vor Gericht stehen.
Die MDC reagierte auf die jüngsten Festnahmen in scharfen Worten: „Es ist absolut unmöglich, von einer freien und fairen Wahl in Simbabwe zu sprechen“, hieß es in einer Erklärung der Partei, die sich bei der Parlamentswahl im Frühjahr gegen Mugabes Gruppierung Zanu-PF durchgesetzt hatte. Auch ein westlicher Diplomat hielt fest: „Die Zanu-PF will diese Stichwahl um jeden Preis gewinnen.“
Der britische Außenminister David Miliband beschrieb das Vorgehen der Regierung Mugabe als „sadistisch“. „Menschen werden getötet, Menschen werden gefoltert, Menschen werden geschlagen. Wahlbeobachter werden kaltgestellt ... Es ist wichtig, dass wir das offen und deutlich ansprechen“, sagte er im BBC-Fernsehen. Die Staatengemeinschaft könne dem Leiden der Menschen nicht einfach tatenlos zusehen.
AFP/dw/omi




