Der simbabwische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai hat die niederländische Botschaft in Harare verlassen, in der er am Sonntag Zuflucht gefunden hatte. Wie Reporter vor Ort berichteten, begab sich Tsvangirai nach Hause, um von dort eine Pressekonferenz zu geben. Der Sprecher des niederländischen Außenministeriums in Den Haag bestätigte die Information. Tsvangirai hatte sich in die Botschaft begeben, nachdem er bekannt gegeben hatte, dass er die Stichwahl um die Präsidentschaft gegen Robert Mugabe am Freitag boykottieren werde. Die niederländische Botschaft berichtete, nach seiner Ansprache vor Journalisten sei Tsvangirai in die Botschaft zurückgekehrt.
Auf der Pressekonferenz rief Tsvangirai die afrikanischen Führer auf, bei der Lösung der Krise zu helfen. „Jetzt ist Zeit zum Handeln“, sagte er. Die Afrikanische Union und die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC) sollten die Führung übernehmen und eine Übergangsphase einleiten, „die die Genesung des Landes erlaubt“. Dazu müssten „bewaffnete Friedenssoldaten“ ins Land kommen. „Die Bevölkerung des Landes kann nicht mehr warten“, betonte Tsvangira. Die Gewalt des Mugabe-Regimes gegen seine Anhänger sei einem Krieg gleichgekommen. Tsvangirai bekräftigte, er werde nicht an der Stichwahl um das Präsidentenamt teilnehmen.
Schon zuvor hatte Tsvangirai den Einsatz von UN-Friedenstruppen in seinem Land gefordert. Ein solcher Einsatz würde das Volk vom Regime trennen und einen Schutzschild über den demokratischen Prozess legen, nach dem Simbabwe sich so sehne, schrieb Tsvangirai in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung „The Guardian“.
„Wir bitten die Vereinten Nationen, weiter zu gehen als in ihrer jüngsten Resolution, in der die Gewalt in Simbabwe verurteilt wurde“, erklärte Tsvangirai weiter. „Wir brauchen Truppen, um das Volk zu schützen.“ Die empörten Äußerungen der internationalen Gemeinschaft müssten gestützt werden von Soldaten.
Mugabe bezeichnete der Politiker als „machtbesessenen Despoten“, der sein Volk zur Geisel seines Größenwahns mache. Scharfe Kritik übte Tsvangirai an dem südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki, der in dem Konflikt vermitteln soll. Mbekis Vorgehen „massiert einen geschlagenen Diktator, anstatt ihm die Tür zu weisen“.
Die SADC trifft sich derzeit in Swasiland, um über einen Ausweg aus der Krise zu beraten. Der SADC-Vermittler Mbeki nahm an den Beratungen allerdings nicht teil. Ein Sprecher erklärte zur Begründung, Mbeki sei nicht Mitglied des SADC-Sicherheitsausschusses, der das Treffen einberufen habe.
In Simbabwe selber gehen offenbar die Einschüchterungsversuche gegen Mugabes Gegner weiter: Nach Angaben der Opposition nahm die Polizei eine Razzia im regionalen Hauptquartier der Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC) im Osten des Landes vor. In dem Gebäude in der Stadt Mutare hätten rund 200 Menschen Zuflucht gesucht, sagte ein MDC-Sprecher.
Die Polizisten hätten die Personalien aller Anwesenden aufnehmen und Informationen über deren Herkunft haben wollen, „aber wir haben sie ihnen nicht gegeben“, fügte der Sprecher hinzu. Die Sicherheitskräfte seien dann bis auf vier Beamte wieder abgezogen.
Der britische Premierminister Gordon Brown sprach sich für schärfere Sanktionen gegen das Mugabe-Regime aus. Die Regierung in London bereite zusätzliche Strafmaßnahmen gegen Vertreter des Regimes in Harare vor, sagte Brown vor dem Unterhaus. Dazu gehörten Reise- und finanzielle Beschränkungen. Der Regierungschef rief zudem dazu auf, dass Firmen nicht in dem südafrikanischen Land investieren sollten. Die britische Zeitung „Times“ hatte zuvor berichtet, der Bergbau-Konzern Anglo-American wolle Millionen Pfund für ein Projekt in Simbabwe aufwenden.
AFP/dpa/AP/cn




