Lockerbie-Freilassung

Für David Cameron trifft BP keine Schuld

Bei einem Treffen mit Obama mahnt Cameron an, zwischen der Ölpest und der Entlassung des Lockerbie-Terroristen zu unterscheiden.

Der britische Regierungschef David Cameron will die Freilassung des Lockerbie-Attentäters nicht prüfen lassen. Bei seinem ersten offiziellen Besuch in Washington wies er zudem Gerüchte zurück, wonach Geschäfte des britischen Ölkonzerns BP bei der Entscheidung vor gut einem Jahr eine Rolle gespielt hätten. Cameron mahnte den Konzern, seine Pflichten im Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko zu erfüllen.

Nach Gesprächen mit US-Präsident Barack Obama sagte Cameron, er habe eine Durchsicht der Unterlagen zur Freilassung von Abdelbasset Ali Mohammed el Megrahi angeordnet. Dabei solle geklärt werden, ob weitere Angaben zu den Hintergründen der Entscheidung veröffentlicht werden müssten. Einer Untersuchung des Vorgangs stehe er allerdings nicht „aufgeschlossen“ gegenüber. Nichts desto Trotz würde Cameron eine Prüfung in den USA unterstützen.

Verständnis für Wut der US-Bürger

Die schottische Regierung hatte den schwer krebskranken Megrahi, der als einziger Attentäter des Anschlags auf ein US-Linienflugzeug im Jahr 1988 verurteilt worden war, vor elf Monaten begnadigt. Bei dem Anschlag waren 270 Menschen getötet worden, die meisten stammten aus den USA.

Megrahis Freilassung löste dort Empörung aus. Zudem gab es Gerüchte, die schottische Regierung habe mit ihrer Entscheidung einen lukrativen Auftrag aus Libyen an den britischen Ölkonzern BP nicht gefährden wollen. Cameron widersprach dieser Darstellung.

Cameron äußerte zugleich Verständnis für die Wut der US-Bürger auf BP. Der Konzern hatte die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ betrieben, die im April explodiert war und dadurch die Ölpest im Golf von Mexiko verursacht hat. Cameron sprach von einer „Katastrophe“ für Umwelt, Fischerei-Industrie und den Tourismus. Er sei sich mit Obama einig, dass BP für die Schließung des Lecks, die Aufräumarbeiten und Entschädigungszahlungen verantwortlich sei.

"Echter Fortschritt" in Afghanistan

Sowohl für die britische als auch für die US-Wirtschaft sei BP allerdings ein „wichtiges Unternehmen“, das auf beiden Seiten des Atlantiks tausende Arbeitsplätze sichere, sagte Cameron. Es sei deshalb im Interesse beider Länder, dass BP „in Zukunft ein starkes und stabiles Unternehmen“ bleibe.

Auch der Afghanistan-Einsatz war bei dem Treffen zwischen Obama und Cameron Thema. Der US-Präsident begrüßte die Ergebnisse der internationalen Konferenz in Kabul. Damit sei ein „großer Schritt voran“ gemacht worden, sagte er. Die US-Strategie für den Einsatz am Hindukusch sei die richtige. Auch Cameron sprach von „echtem Fortschritt“ in Afghanistan.

Bei der Konferenz am Dienstag hatten die internationalen Teilnehmer unter anderem das Ziel festgeschrieben, bis Ende 2014 die Sicherheitsverantwortung im Land vollständig an die afghanischen Sicherheitskräfte abzugeben. Die USA sind mit Abstand der größte Truppensteller in Afghanistan, gefolgt von Großbritannien.