Kritik an Muslimen

Thilo Sarrazin sieht sich böswillig missverstanden

In seinem Buch werde niemand beleidigt und diffamiert, protestiert der Bundesbankvorstand. Sein Chef Axel Weber kündigte dennoch eine Erklärung an.

Foto: Reto Klar

Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin hat sich gegen die Empörung wegen seiner Kritik an muslimischen Zuwanderern verwahrt. Er bestritt, andere als kulturelle Gründe dafür angeführt zu haben, dass er den Muslimen Integrationsunwilligkeit bescheinigt. Es kämen "ethnische Gründe für dieses Anderssein nicht in Frage“, sagte das SPD-Mitglied der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

An diesem Montag will Sarrazin sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ vorstellen. „Die Unterstellung, ich hätte irgendwo in diesem Buch behauptet, muslimische Migranten seien aus genetischen Gründen anders, die hat mich schon betroffen gemacht. Es ist eine böswillige Interpretation.“

Er räumte aber „einen lässlichen didaktischen Mangel“ ein: „Ich hätte vielleicht noch stärkere Trennlinien zwischen unterschiedlichen Argumentationssträngen ziehen sollen.“ Seine These, Integrationsprobleme lägen an Kultur und Religion, stufte Sarrazin nun als „Vermutung“ ein.

„Niemand wird in meinem Buch beleidigt, niemand wird diffamiert“, sagte er „Focus Online“. „Schwierige und politisch kontroverse Sachverhalte auf den Punkt zu bringen und die Diskussion zu befördern, daran kann ich überhaupt nichts Schädliches erkennen“, sagte der Bundesbank-Vorstand.

Sarrazin wirft der Bundesregierung vor, in ihrem Integrationsbericht die Tatsachen nicht klar darzustellen. Der Bericht unterscheide nicht nach Migrantengruppen. Als Grund habe ihm der Leiter der zuständigen Abteilung erklärt, man wolle keinen Unfrieden stiften. „Das heißt, die Wahrheit wird nicht klar ausgedrückt. Damit wird einerseits dargestellt, dass die meisten Migranten Probleme hätten, obwohl das nicht stimmt. Und bei den muslimischen Migranten wird das Ausmaß der Probleme nicht benannt. So wird bei uns amtlich Integrationspolitik gemacht“, sagte Sarrazin.

Die Forderungen an die Bundesbank, Sarrazin rauszuwerfen, reißen nicht ab. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntagabend gesagt, die Bank werde sicher über Sarrazin sprechen. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), sagte im ARD-„Morgenmagazin“: „Die Bundesbank ist jetzt am Zug.“ Der frühere Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, sagte dem „Hamburger Abendblatt“, die Bundesbank mache sich angreifbar, solange Sarrazin in ihrer Mitte sei.

Bundesbank-Chef Axel Weber will noch am Montag eine Erklärung zu seinem umstrittenen Vorstandskollegen abgeben. Da sich Weber noch auf dem Rückweg aus den USA befinde, sei aber frühestens am Nachmittag damit zu rechnen, sagte ein Sprecher am Montag in Frankfurt.

Sarrazin will an seiner SPD-Mitgliedschaft festhalten, obwohl ein neues Ausschlussverfahren geprüft werden soll. „Ich habe vor, das SPD-Parteibuch mit ins Grab zu nehmen“, sagte er der „FAZ“. Spekulationen, er könnte eine neue Partei gründen, wies er zurück: „Etwas Neues habe ich nicht mehr vor.“ Parteigründungen endeten „fast immer so, dass sich dort sehr schnell die Spinner aller Couleur versammeln“.

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