Hessens scheidender Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat sich angesichts der öffentlichen Empörung über die Äußerungen Thilo Sarrazins hinter den SPD-Politiker gestellt. Koch warnte davor, das Thema Zuwanderer auszublenden. Immerhin stecke viel Lebenserfahrung in den Berichten Sarrazins. „Ich halte nichts davon, dass das, was er sagt, in diese üblichen Politikreflexe hineingeschoben wird: Darüber darf man nicht reden! Das ist tabuisiert!“, sagte Koch.

Allerdings nannte Koch die Thesen des Bundesbank- Vorstandsmitglieds Sarrazin „eine sehr rückwärtsgewandte, pessimistische Beschreibung der Zustände, ohne sich eigentlich ernsthaft mit den Optionen und Chancen zur Lösung zu beschäftigen“. Weiter sagte er: „Wer glaubt, dass die Biologie und die Erbanlagen nahezu alles sind, und dass sich Migranten oder sozial im Augenblick schwache Menschen sozusagen immer in diesen Gruppen bewegen werden, der gibt sie auf.“ Sarrazins Ansatz sei unpolitisch und gehe oft „ins Zynische“ hinein. Hingegen müssten Politiker Lösungsmöglichkeiten anbieten. In seinem neuen Buch „Deutschland schafft sich ab“ warnt der wegen ähnlicher vorheriger Äußerungen bereits umstrittene Sarrazin davor, dass die Deutschen zu „Fremden im eigenen Land“ werden könnten.

Er war dafür heftig kritisiert worden. Außerdem schaltete sich Koch zum Ende seiner Amtszeit noch einmal in den Streit um die Laufzeit von Kernkraftwerken ein. Er warnte vor einem zu raschen Atomausstieg. Wörtlich sagte Koch: „Ich rate den Bürgern, nicht etwas aufzugeben, bevor man einigermaßen sicher weiß, was die Alternative ist – und gerade dann das nicht zu tun, wenn man sieht, dass in anderen Ländern die Zukunftsoptionen der Kernenergie ganz anders eingeschätzt werden und die in der Tat neue Kernkraftwerke bauen und zusätzlich bauen werden.“ Auf die Frage nach den Risiken der Lagerung lange strahlenden Atommülls meinte Koch, in den Kernforschungszentren arbeite man an Methoden, die Risiken weiter zu vermindern. Man dürfe das Ziel günstiger Strompreise und den Erhalt des Industriestandorts Deutschland nicht gefährden.

dpa/mac