Knapp zwei Wochen nach dem von der Bundeswehr angeordneten Bombardement im nordafghanischen Kundus hat Präsident Hamid Karsai den Angriff als Fehler bezeichnet. „Der Vorfall ist sehr bedauerlich, denn wir haben zu viele Zivilisten verloren“, sagte Karsai am Donnerstag in Kabul.

Zugleich nahm der Präsident Deutschland und die Bundeswehr aber ausdrücklich in Schutz. Die Bundesrepublik sei „ein alter Freund Afghanistans, und die Afghanen wissen das sehr, sehr gut“, sagte er. „Deutschland hat keinesfalls die Absicht, Schäden zu verursachen. Im Gegenteil: Deutschland ist hier, um die afghanische Bevölkerung zu beschützen.“

Die von Karsai eingesetzte Untersuchungskommission hatte den Taliban die Verantwortung für den Vorfall angelastet. Nach Angaben der Kommission starben bei dem Bombardement 30 Zivilisten und 69 Aufständische.

Diese Zahl bestätigt nun auch die Nato. Weitere 70 der insgesamt 100 Toten bei dem Angriff auf zwei Tanklastzüge seien „feindliche Kräfte“, berichtete die Online-Ausgabe der „Bild“-Zeitung unter Berufung auf einen Nato-Offizier.

Nato-Sprecher James Appathurai wollte die Angaben nicht bestätigen. Die von Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen eingesetzte Untersuchungskommission habe ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen. Der Bericht werde erst in den kommenden Wochen erwartet.

Karsai hatte den Luftschlag bereits vor Abschluss einer Untersuchung als „Fehleinschätzung“ kritisiert. Mohammadullah Baktasch, der der von Karsai eingesetzten Kommission angehörte, hatte nach der Übergabe des Untersuchungsberichts dagegen gesagt, in einer vergleichbaren Lage hätten „nicht nur die deutschen Truppen, sondern alle Regierungs- und internationalen Truppen so gehandelt“.

Am Donnerstag sind bei einem Selbstmordattentat gegen ein Fahrzeug der Nato-Truppen in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen, darunter sechs italienische Soldaten. Wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul, Sahir Asimi, mitteilte, sind unter den Toten auch mindestens zehn afghanische Zivilisten. Mehr als 50 Menschen seien mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht worden.

Nach Angaben des italienischen Verteidigungsministeriums wurden mindestens sechs italienische Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf getötet und vier weitere verletzt. Den Angaben zufolge sind es die bislang schwersten Verluste der italienischen Streitkräfte in Afghanistan.

Der Anschlag ereignet sich nach Polizeiangaben im Osten der Hauptstadt auf der Straße in Richtung des internationalen Flughafen. Ein Sprecher der Nato-geführten Isaf in Kabul sagte, das Attentat sei gegen einen Konvoi der internationalen Truppen gerichtet gewesen. Es habe Opfer unter den Einsatzkräften gegeben. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes sind damit insgesamt 21 italienische Soldaten ums Leben gekommen. Gegenwärtig sind etwa 2800 Italiener im Westen des Landes sowie in Kabul stationiert.

Die radikal-islamischen Taliban bekannte sich zu der Tat. Deren Sprecher Sabiullah Mudschahid sagte, ein aus Kabul stammender Kämpfer der Aufständischen habe einen Isaf-Konvoi angegriffen. Bei der Explosion seien 13 italienische Soldaten ums Leben gekommen. Angaben der Taliban gelten jedoch als übertrieben und haben sich oft als gänzlich falsch herausgestellt. Erst vor einer Woche waren bei einem Selbstmordanschlag der Taliban vor dem militärischen Teil des Flughafens in Kabul zwei Zivilisten getötet worden.

dpa/AFP/fas