"Der Eurostat-Bericht beruht auf alten Daten“, sagte ein Sprecher des Familienministeriums Morgenpost Online. „Die Quote der Neugeborenen pro 1000 Einwohner lag nach inzwischen präzisierten Zahlen des Statistischen Bundesamts für 2008 bei 8,3.“ Damit sei die Quote stabil und auf demselben Niveau wie 2005.
Das europäische Statistikamt Eurostat hatte am Montag eine Studie veröffentlicht, in der Deutschland 2008 nur noch 8,2 Neugeborene pro 1000 Einwohner verzeichnete statt 8,3 im Jahr zuvor. Die Studie ging von einer Gesamtzahl von 675000 Neugeborenen in Deutschland aus. Tatsächlich hat das Statistische Bundesamt die Zahl aber inzwischen nach oben korrigiert, auf 682524 (2007: 684865). Die endgültige Zahl liegt erst im September vor.
„Wir haben Daten veröffentlicht, die nicht topaktuell sind“, räumte eine Sprecherin von Eurostat ein. Allerdings habe das Statistische Bundesamt die aktualisierten Zahlen nicht weitergeleitet. Doch selbst mit korrigierter Geburtenzahl bleibt Deutschland Schlusslicht, vor Österreich und Italien. An der Spitze steht Irland. Während in Deutschland die Geburtenzahl trotz Elterngeld leicht zurückging, ist sie in allen anderen EU-Staaten gestiegen.
Jürgen Dorbritz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung führt dies auf andere Mentalitäten zurück, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben. „Irland: Katholisch mit traditionell vielen Kindern“, meint er bündig. In Frankreich gebe es hingegen seit Jahrzehnten eine gezielte Familienpolitik, die auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf setze – „auch wenn die Frauen nicht alle erwerbstätig sind“. Für Deutschland fordert er einen Wertewandel, „der Familie stärker betont“.
Dem Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes (DFV) Siegfried Stresing, ist dabei vor allem eines wichtig: „die Anerkennung der Mehrkindfamilie“. In Frankreich sei dies eine Selbstverständlichkeit. Hinzu komme hierzulande eine „strukturelle Rücksichtslosigkeit, einschließlich Klagen gegen Kinderlärm und Kitas“.
Die „völlige Vernachlässigung der Mehrkindfamilie“ hält er auch der Politik vor. Schon statistisch werde ab drei Kindern nicht mehr unterschieden. Und jede Fördermaßnahme werde inzwischen als „Herdprämie“ diffamiert, so Stresing. Der DFV-Vertreter begrüßt den Ausbau der Kitaplätze, moniert aber zugleich eine „einseitige Ausrichtung der Familienpolitik auf die Erwerbsorientierung“. Von einer künftigen Regierung erwartet sich Stresing deshalb vor allem „mehr Rücksicht auf Mehrkindfamilien“ und eine „stärkere Beachtung der Wertefrage“. Es gehe auch „um die kulturellen und religiösen Beweggründe, die Zuversicht und Zukunft eröffnen und die Entscheidung für die Familie fördern“.
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