Die Wiederkehr des Christentums lässt in der Statistik weiter auf sich warten. Beide großen Kirchen haben 2009 in Deutschland neuerlich Mitglieder verloren und keine Trendwende bei Aus- und Eintritten geschafft. In der katholischen Kirche ist die Mitgliederzahl erstmals auf unter 25 Millionen gesunken, sie lag Ende 2009 bei 24,9 Millionen.
Die Zahl der Austritte stieg abermals an, wenn auch nicht so stark, wie mancher wegen des 2009 eskalierenden Streits um die Piusbrüder erwartet hatte. 123.681 Menschen verließen im vergangenen Jahr die katholische Kirche, 2008 waren es 121.155.
Bei den Eintritten und Wiederaufnahmen, von denen es in der katholischen Kirche traditionell wenige gibt, wurde 2009 ein weiterer Rückgang verzeichnet, die Zahl sank von 13934 im Jahr 2008 auf 12158. Auch das Interesse an der Messe ließ nach: Nur 13 Prozent der katholischen Kirchenmitglieder waren 2009 Kirchgänger, 2008 betrug diese Quote noch 13,4 Prozent.
Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die noch keine Gesamtstatistik für 2009 vorlegen kann, ergaben Recherchen von Morgenpost Online in einigen großen der insgesamt 22 Landeskirchen ein gemischtes Bild. In Berlin-Brandenburg schnellten die Austrittszahlen regelrecht hoch, von 8225 auf 10.363 im Jahr 2009. Auch in Bayern stiegen sie von 19.846 auf 20.036.
Einen Rückgang der Austritte verzeichneten nach zum Teil vorläufigen Angaben die Hannoversche Landeskirche, deren Austritte von 20.700 im Jahr 2008 auf 17.601 ein Jahr später zurück gingen, die rheinische Landeskirche (von 18.076 auf 15.186), die westfälische (von 12.224 auf 10.636) und die württembergische (von gut 15.000 auf 12.276). Auch in Hessen-Nassau verließen 2009 weniger Menschen die evangelische Kirche, nämlich 11.330, nachdem es 2008 noch 12.766 gewesen waren.
Uneinheitlich ist auch die Bilanz der Eintritte in die evangelischen Kirche: Deren Zahl kletterte in Hessen-Nassau um rund 300 auf 4387 und in Württemberg um 83 auf 2707. Geringere Eintrittszahlen hingegen verzeichneten das Rheinland, Westfalen, Bayern und Berlin-Brandenburg, wo 2009 deutlich weniger Menschen neu oder zurück in die evangelische Kirche fanden als im Jahr zuvor. In Bayern sank die Zahl der Eintritte um rund 1000, andernorts um jeweils einige hundert.
Dass sich bei den Protestanten am gemischten Bild wenig ändern dürfte, lässt die badische Landeskirche erahnen, die bereits Daten für die erste Hälfte 2010 vorlegte. Hier stiegen die Eintrittszahlen um 30 Prozent auf 1073, doch gab es 18 Prozent mehr Austritte, nämlich 3786. In der katholischen Kirche wird wegen der Missbrauchsskandale für 2010 mit extrem vielen Austritten gerechnet. Stichproben in den ersten Monaten ergaben Zuwächse von bis zu 50 Prozent.




