Kirche

Markus Dröge wird Nachfolger von Bischof Huber

Der Koblenzer Superintendent Markus Dröge wird Nachfolger des Berliner Bischofs Wolfgang Huber. Die Synode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wählte den 54-jährigen Theologen am Freitag in Berlin - und brauchte dazu vier Wahlgänge.

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Erst im vierten Wahlgang erhielt Dröge die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Er setzte sich dabei mit 82 Stimmen gegen die Erlanger Publizistikprofessorin Johanna Haberer durch, die 36 Stimmen erhielt. Vier Kirchenparlamentarier enthielten sich. Im zweiten Wahlgang war bereits der Direktor der Evangelischen Akademie in Berlin, Rüdiger Sachau, ausgeschieden.

Der neue Bischof wird sein Amt für die kommenden zehn Jahre im November antreten. Huber geht im Herbst nach fast 16 Jahren Amtsjahren mit 67 Jahren in den Ruhestand. Der Landeskirche gehören rund 1,14 Millionen Protestanten in Berlin, Brandenburg und der Region Görlitz an.

Der 1954 geborene Dröge, promovierter Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland, war der Überraschungskandidat unter den drei Bewerbern für das Bischofsamt. Dröge leitet seit Ende 2004 als Superintendent den evangelischen Kirchenkreis Koblenz mit 86.000 Protestanten. Bereits seit 1991 gehört Dröge der rheinischen Landessynode an.

Markus Dröge, als Diplomatensohn in Washington geboren, ist der Antitypus zum bisherigen Amtsinhaber – und liegt damit im Trend. Auch in anderen Landeskirchen kamen zuletzt nicht überregional profilierte Professoren oder Talkshow-Stars an die Spitze, sondern Leute, denen Gemeindenähe und Gespür für die Wünsche vor Ort zugetraut werden. Das Bedürfnis hiernach ist in Berlin-Brandenburg groß. Huber gilt Beobachtern als jemand, der in der Landeskirche nicht sehr präsent war und sie mit der Initiative "Pro Reli" in eine politische Auseinandersetzung zog – die er verlor.

Der Koblenzer Superintendent kümmerte sich im Rheinland auch um die intellektuelle Arbeit der dortigen Evangelischen Akademie. Er gibt sich als linksliberal und sagt über das Verhältnis zum Islam in Abgrenzung von Hubers Konfliktkurs, dass man neu auf die Muslime zugehen müsse. Im Übrigen kommt Dröge auf Empfehlung seines rheinischen Landeskirchen-Präses Nikolaus Schneider, der in der EKD ein führender Kopf des linksliberalen Flügels ist. Doch Dröge kennt Berlin-Brandenburg bislang kaum

Als Dröge über das landeskirchliche Reformpapier "Salz der Erde" sprach, stellte er sich einerseits klar hinter die Forderungen nach neuer theologischer Profilierung und Bündelung der Kräfte. Andererseits zeigte er viel Verständnis für Gemeinden, die sich durch Fusionen und Reformen von oben überrollt sehen, und beschrieb, wie er in Koblenz versucht habe, Pastoren und Laien ins ergebnisoffene Gespräch zu bringen. Besonders gern werden die Berlin-Brandenburger gehört haben, dass er die Vielfalt und die Unterschiede in der uneinheitlichen Landeskirche erhalten will: "Erst wenn die Gemeinden merken, dass in den Reformprozessen Rücksicht genommen wird auf ihre Traditionen, erst dann entsteht Offenheit für Kooperationen."

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat dem künftigen evangelischen Landesbischof zu seiner Wahl gratuliert. „Als welterfahrener Pfarrer bringt er Eigenschaften in das Amt mit, die einer weltoffenen Stadt wie Berlin sehr zugute kommen werden“, sagte Wowereit nach der Wahl.