Wie die deutschen Soldaten mit der gefährlichen Lage in Afghanistan umgehen, welchen Strapazen sie dort ausgesetzt sind, und welche Motivation sie im Einsatz antreibt, darüber berichtet Hauptmann Jan C. (31) in einer Art Tagebuch für Morgenpost Online. Dieses Mal lässt er jemand anderen erzählen: Es berichtet Oberleutnant Daniela K. (30), Zugführerin des dritten Zuges – und einzige Frau der 2. Infanteriekompanie:
---- Teil 6 ----
Mein Zug hat den Auftrag, die Vorposten „Höhe 431“ und „Höhe 432“ im Unruhedistrikt Chahr Darreh zu verteidigen. Ich setzt die Hälfte des Zuges unter Führung meines Stellvertreters auf der Höhe 431 und die andere Hälfte unter meiner Führung auf der Höhe 432 ein. Unterstützt werden wir durch zwei Rettungstrupps, welche eine medizinische Erstversorgung im Falle einer Verwundung sicherstellen.
Auf der Höhe 432 angekommen, treffe ich zunächst Absprachen mit den Vorgängern. Die warten nach fünf Tagen schon ungeduldig auf uns. Nach einer Einweisung in die Ereignisse der letzten Tage übernehmen wir die Sicherung und beziehen die Stellungen.
Der weitere Ablauf ist inzwischen fast Routine. Wir richten uns quasi häuslich ein, bauen unsere Feldbetten auf, bringen die Mückennetze an, verstauen unsere persönliche Ausrüstung in den Schutzbauten. Das sind die geschützten Unterkünfte, die uns für die Zeiten zwischen den wechselnden Schichten in der Sicherung zur Verfügung stehen. Sie sind mit Stahlträgern und Sandsäcken verstärkt und schützen uns so vor Feuer aus Gewehren, Panzerfäusten oder Mörsern.
Jede meiner Gruppen mit jeweils fünf Soldaten hat dazu einen eigenen Schutzbau. Das ist wichtig, damit das Gruppengefüge erhalten bleibt. Da mache auch ich als Frau keine Ausnahme. Nach inzwischen über zwei Monaten hier im Einsatz verlassen sich die Soldaten der Gruppe blind aufeinander – das ist besonders im Gefecht überlebenswichtig.
Darüber hinaus ist jede Gruppe so für sich schichtfähig. Das ist wichtig, weil ich mit nur 15 Soldaten sicherstellen muss, dass ich zu jeder Zeit das Gelände rund um die Höhe im Blick habe – 24 Stunden am Tag, für insgesamt eine Woche!
Der Rettungstrupp hat ebenfalls einen eigenen Schutzbau. Hier richtet er einen so genannten Verwundetensammelpunkt ein. Einen Ort, an den Verletzte gebracht werden, falls auf der Höhe mal etwas passiert. Dort werden die Verletzten dann versorgt und zum Weitertransport vorbereitet. Da das zum Glück bei uns bisher nicht der Fall war, unterstützt uns der Rettungstrupp regelmäßig beim Zubereiten der Mahlzeiten.
Wenn es die Zeit zulässt, kochen wir auf der Höhe zweimal am Tag. Dazu werden uns verschiedene Fertigprodukte zur Verfügung gestellt, die wir mit Wasser und weiteren Zutaten auf einem Gaskocher zubereiten. Je nach Geschick des „Koches“ variiert der Geschmack dabei allerdings stark!
Neben den sogenannten EPA, den Einmannpackungen zur Notfallverpflegung, bekommen wir hier draußen auch kombinierbare Wamverpflegung mit Nudeln, Kartoffeln, Knödeln, Fleisch und Suppen. An Getränken haben wir sogar Kaffee, Cappuccino und Tee im Angebot. Außerdem sind immer frisches Obst und Brot in der „Küche“.
Starke Einschränkungen gibt es bei der persönlichen Hygiene. Am Fuß der Höhe stehen uns zwei Dixie-Toiletten zur Verfügung, die täglich durch eine zivile Firma geleert und gesäubert werden. Auf der Höhe haben wir uns eine provisorische Dusche gebaut, die sogar etwas versteckt liegt – um wenigstens ein bisschen Privatsphäre zu gewährleisten. Das ist insbesondere als einzige Frau unter 14 Männern ein nicht zu unterschätzender Punkt. So wird das Duschen zum einen der wenigen ruhigen und privaten Momente während der Woche.
Ansonsten ist es eigentlich den ganzen Tag überwiegend ruhig. Wir beobachten die Bauern bei ihrer Feldarbeit, versuchen auch von Zeit zu Zeit mit ihnen ins Gespräch zu kommen, dafür haben wir extra einen afghanischen Übersetzer mit auf jede Höhe genommen. Die gefährliche Zeit beginnt erst mit der Dämmerung.
Eines Abends beobachteten wir Bewegungen an einem Gehöft, das etwa 700 Meter entfernt lag. Das war ungewöhnlich, weil sich bei Dunkelheit eigentlich keine Afghanen mehr in der Nähe der Höhe bewegen, ohne das vorher mit uns abzusprechen. Kurz darauf wurde das Feuer mit Gewehren auf unsere Höhe eröffnet. Zum Glück war es sehr ungezielt.
Aufgrund der Entfernung entschied ich mich zum Einsatz meiner Panzerabwehrwaffe „Milan“. Diese ist zudem mit einem Wärmebildgerät ausgestattet, welches auch nachts eine sehr gute Beobachtung ermöglicht. Nach kurzer Rücksprache mit meinem Kompaniechef und dessen Genehmigung feuerten wir zwei Panzerabwehrraketen auf die feindlichen Stellungen. Danach verstummte das Gewehrfeuer. Ob wir jemanden getroffen haben, konnten wir allerdings nicht aufklären. Der Rest der Nacht verlief dann ruhig. Nach insgesamt sieben Tagen warteten auch wir dann ungeduldig auf unsere Ablösung...
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Jan C. (31) ist seit April Chef der 2. Infanteriekompanie des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) in Kundus. Damit stehen rund 120 Männer und eine Frau unter seinem Kommando, auch von ihnen melden sich an dieser Stelle einige zu Wort und schildern ihre Erfahrungen. In Deutschland ist Hauptmann C. seit April 2009 Kompaniechef des 2. Panzergrenadierbataillons 122 in Oberviechtach in Bayern.


