Wie die deutschen Soldaten mit der gefährlichen Lage in Afghanistan umgehen, welchen Strapazen sie dort ausgesetzt sind, und welche Motivation sie im Einsatz antreibt, darüber berichtet Hauptmann Jan C. (31) in einer Art Tagebuch für Morgenpost Online. Dieses Mal lässt er jemand anderen erzählen: Es berichtet der Oberstabsgefreite Mario L. (24). Er betreibt die Betreuungseinrichtung „Heckklappe“ der Kompanie.

---- Teil 5 ----

Unser Tag beginnt normalerweise morgens um sieben Uhr. Nach der Morgenhygiene haben wir die Möglichkeit, in der Küche zu frühstücken. Danach nimmt jeder seine Arbeit auf. Ich selbst betreibe von 7 bis 23 Uhr die Betreuungseinrichtung der 2. Infanteriekompanie.

So eine Einrichtung hat fast jede Kompanie hier im Lager, und die meisten Soldaten sind sehr froh, dass es sie gibt. Vor allem, wenn die Männer und Frauen von draußen reinkommen, nachdem sie sieben bis acht Tage unterwegs waren.

In der „Heckklappe“ haben wir einen Fernseher, Zeitschriften, ein , mehrere Gesellschaftsspiele und sogar eine Wii-Station. In der größeren Einrichtung „Lummerland“, die allen Soldaten im Lager offen steht, kann man sich auch DVDs ausleihen, kickern oder Billard spielen. Außerdem gibt’s kalte Getränke, Snacks und Naschereien – falls es irgendjemandem das Essen aus der Truppenküche nicht schmecken sollte... Das Essen dort ist aber wirklich sehr lecker.

Falls es dann doch etwas ansetzt: Für die sportlichen Soldaten steht ein kleiner Fitnessraum zur Verfügung – rund um die Uhr kann man sich dort fit halten. Wer sich nur entspannen will, kann sich auch auf das Sonnendeck „Kunduz Beach“ legen oder mal in den behelfsmäßigen Pool – einen Feuerlöschteich – springen.

Natürlich haben wir auch die Möglichkeit, gegen Bezahlung, mit der Familie zu telefonieren oder ein paar Minuten im Internet zu surfen. Die Verbindungen sind zwar nicht die besten, aber um die Stimmen der Verwandten zu hören oder um einen seltenen Artikel bei Ebay zu ersteigern, reicht es allemal.

Für Briefe, Karten und Pakete ist die Feldpost zuständig. Die funktioniert wie eine normale Post in Deutschland. Nur sind die Laufzeiten zwischen Deutschland und Afghanistan etwas länger. Ein Paket ist im Schnitt ein bis zwei Wochen unterwegs.

Untergebracht sind die meisten von uns hier in Wohnatrien. Diese haben einen kleinen Innenhof mit Blumen oder einer Grillecke, in manchen gibt es sogar einige Schildkröten! Wir von der 2. Infanteriekompanie wohnen derzeit aber noch in Zelten, weil es nicht ausreichend Container für alle gibt. Diese Zelte sind eher spartanisch eingerichtet und im Schnitt mit acht Mann belegt – da bleibt natürlich wenig Raum für Privatsphäre.

Aber jeder hat sich im Zelt seine Ecke eingerichtet und mit provisorischen Vorhängen so abgehangen, dass man auch mal ein paar Minuten für sich sein kann und halbwegs seine Ruhe hat. Das braucht hier jeder ab und zu. Die größte psychische Belastung im Feldlager ist neben dem vereinzelten Beschuss durch Raketen die ständige Ungewissheit, dass den Kameraden, die draußen sind, auch nichts passiert. Und sie alle wieder gesund und munter zurückkehren.

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Jan C. (31) ist seit April Chef der 2. Infanteriekompanie des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) in Kundus. Damit stehen rund 120 Männer und eine Frau unter seinem Kommando, auch von ihnen melden sich an dieser Stelle einige zu Wort und schildern ihre Erfahrungen. In Deutschland ist Hauptmann C. seit April 2009 Kompaniechef des 2. Panzergrenadierbataillons 122 in Oberviechtach in Bayern.