Ein siebenjähriges Mädchen hat Michelle Obama eine Lektion in politischer Bildung erteilt und in die US-Debatte über illegale Einwanderer eingegriffen: „Warum schickt Barack Obama jeden weg, der keine Papiere hat?“, fragte die kleine süße Latina mit den hüftlangen Haaren die First Lady bei einem Schulbesuch in Silver Spring, einem Vorort Washingtons.
„Das ist etwas, woran wir arbeiten müssen, nicht?“, antworte Michelle Obama diplomatisch, „um sicherzustellen, dass Menschen hier sein können mit den richtigen Papieren“. Darauf das Mädchen: „Meine Mama hat überhaupt keine Papiere.“ Neben der First Lady hörte Margarita Zavala, die Gattin des auf Staatsbesuch weilenden mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón, aufmerksam zu.
Präziser als das Mädchen kann man das Dilemma Präsident Obamas nicht in Worte fassen. In den USA leben etwa zwölf Millionen illegale Einwanderer. Ein beispiellos hartes Gesetz im Grenzstaat Arizona soll die Polizei anhalten, künftig von Verdächtigen Visanachweise zu fordern. Präsident Obama will eine grundlegende Reform der Einwanderungsgesetze auf Bundesebene durchsetzen, hat aber nicht genügend Stimmen im Kongress.
Latino-Verbände rufen zum Boykott Arizonas auf. Das Klima zwischen den Streitparteien ist giftig. Aber noch niemand hatte das Problem so herzzerreißend angesprochen wie die kleine Latina zu Füßen von Michelle Obama.
mit AFP





