Washington – Bob Dylan entkommt der Liebe der Obamas nicht: Auch Abwesenheit schützte den meist ungeselligen, Feierstunden und Ehrungen abgeneigten Sänger nicht vor einem Kunstpreis.
Vor einigen Tagen erhielt Dylan (69), dessen Songs auf dem Ipod des Präsidenten vertreten sind, gemeinsam mit elf weiteren Künstlern, darunter Jessye Norman, Maya Lin und Clint Eastwood, die „National Medal of Arts“.
Der Orden ereilte ihn nur zwei Wochen nach einem Auftritt im Weißen Haus im Rahmen einer von Michelle Obama betreuten Konzertreihe mit “Musik aus der Bürgerrechtsbewegung“, diesmal aus dem besonderen Anlass des „Black History Month“.
Bob Dylan wurde dabei fotografiert, wie er den Obamas grinsend die Hand schüttelte.
Late-Night-Talker David Letterman bemerkte dazu: „Klar, dass Dylan da auftrat. Wenn man an schwarze Geschichte denkt, denkt man an einen nuschelnden, weißen, jüdischen Typ aus Minnesota.“
Wahre Dylan-Fans erinnern sich an ihre schweren Ängste bei den letzten Preisen, dem Oscar 2001 (Best Song) und dem Pulitzer 2008.
Der Meister überstand beide bei Gesundheit und erstaunlich guter Laune.
Anders als beim der Mutter aller Preisskandale Dylans 1970.
Princeton University verlieh dem „Protestsänger“ die Ehrendoktorwürde.
Ein Laudator rühmte den entsetzen, hilflosen Mann im Talar als „das verstörte, besorgte Gewissen des jungen Amerika“.
Er starb fast vor Scham. In seinen Memoiren notierte Dylan 2004: „Ich konnte es nicht fassen.
Wieder aufs Kreuz gelegt...ich verlor all möglichen Arten von Glaubwürdigkeit.“
Er lernte daraus.
Uwe Schmitt





