Die neue niedersächsische Sozial- und Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) ist in diesen Tagen eines der Topthemen in den Medien. Aber nicht nur die deutschen Journalisten stürzen sich auf die 38 Jahre alte Politikerin. Auch bei den türkischen Medienvertretern liegt die türkischstämmige Ministerin hoch im Kurs. „Wir haben jetzt nach der Ernennung mehr zu tun“, sagt Arslan Serdar Sert, Hannover-Korrespondent der Tageszeitung „Sabah“. Nicht selten seien die Nachrichten über Özkan in den vergangenen Tagen Aufmacher in dem Blatt, das in Europa eine Auflage von 30.000 hat.

Süheyla Kaplan von der Nachrichtenagentur „Anadolu Ajans“ ist am Dienstag für die Ernennung der neuen Ministerin von Hamburg nach Hannover gereist. „Frau Özkan ist die erste türkischstämmige Ministerin in Deutschland. Da ist das Interesse natürlich auch bei den türkischen Medien groß“, sagt Kaplan. Die Ernennung Özkans sei nicht nur bei ihren Kollegen, sondern auch bei Regierungsvertretern auf positive Resonanz gestoßen. „Die CDU hat damit einen wichtigen Schritt gemacht und ein Zeichen gesetzt, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist“, sagt die 35 Jahre alte Journalistin.

Auch das Bild der Partei habe sich bei den türkischen Migranten geändert. „Zuvor dachten sie, die CDU sei nicht offen für Migranten und distanziere sich von ihnen“, sagt Kaplan. Die Partei habe mit dieser Neubesetzung bewiesen, dass ihre Türen für alle offen sind, ganz gleich welche Abstammung jemand hat. Das bestätigt auch der Journalist der Zeitung „Imaj“, Ilhami Oguz. „Dass die CDU einen solchen Schritt gemacht hat, wird positiv bewertet.“

Die SPD habe viele Jahre zumindest so getan, als ob sie die türkischen Bürger unterstütze, die CDU nicht, meint Oguz. „Dass ausgerechnet sie nun so einen Schritt gemacht hat, stellt alles andere in den Schatten.“ Der 36-Jährige wünscht und hofft, dass Özkan erfolgreich wird. „Auch wenn es hart klingt, aber die Fehler, die sie macht, werden letztendlich auf alle Türken zurückfallen“, meint er. Sie solle sich lieber aus solchen Diskussionen wie jüngst das Kruzifix- und Kopftuch-Verbot in Schulen fernhalten.

„Vor 10 oder 15 Jahren dachten die türkischen Migranten nicht im Traum, dass eine von ihnen Ministerin werden könnte. Jetzt ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagt der Hannover-Bürochef der türkischen Zeitung „Hürriyet“ und Reporter der Nachrichtenagentur „Dogan Haber Ajans“, Mehmet Uzun.

Auch die Kollegen in der Türkei seien an Geschichten über Özkan interessiert. „Sie wollen alle Meldungen über sie – sei es Aussagen oder ihre Vorhaben“, berichtet er.

dpa/ks