Die Forderung von Unionspolitikern, einen IQ-Test für Einwanderer einzuführen, stößt auf heftige Kritik. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, findet den Vorstoß „abwegig und nicht von besonderer Intelligenz geprägt. Zuwanderern pauschal Dummheit zu unterstellen, ist eindeutig diskriminierend“, sagte sie.
Auch Björn Böhning, Sprecher der SPD-Linken, hält solche Tests für „höchst fragwürdig“. Der 32-Jährige sagte Morgenpost Online: „Der Vorschlag der Unionspolitiker ist menschenverachtend. Wir sollten den Nachzug von Kindern und Ehepartnern erleichtern.“ Böhning hat das Gefühl, dass das Einwandern erschwert werden solle, und warnt: „Wir brauchen junge Menschen, um den Fachkräftebedarf in Deutschland zu decken.“ Das Fördern von Stärken oder das Erkennen von Schwächen sei Aufgabe von Schulen, so der Politiker. Dafür gebe es bereits entsprechende Förderprogramme.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte dazu: „Ein Menschenbild, das den Wert der Menschen für unsere Gesellschaft an fragwürdigen Intelligenztests misst, ist diskriminierend und menschenverachtend.“ Die SPD lehne solche Vorstöße entschieden ab
Ali Al Dailami, Mitglied des Parteivorstandes der Linken, sieht mit dem geforderten Intelligenztest bewiesen, dass es um das Wissen der Unionspolitiker über die Migrationspolitik „nicht gut bestellt sei“. Dailami sieht in ihrer Forderung „Nützlichkeitsrassismus“: „Hätten sich die Unionspolitiker intensiv mit Migrations- und Integrationspolitik beschäftigt, so wüssten sie, dass im letzten Jahrzehnt mehr Menschen aus der BRD aus- als eingewandert sind.“
Die Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters lehnte Trapps Vorschläge als „nicht zielführend“ ab. „Wir brauchen eine Willkommenskultur, aber keine diskriminierenden Tests, die am Ende noch denen Hürden in den Weg legen, die wir haben wollen“, sagte Grütters. Sie hatte vor drei Monaten maßgeblich ein umfassendes Integrationskonzept für die Berliner CDU miterarbeitet. „Richtig ist jedoch der Befund, dass wir bisher nie den Mut hatten zu fragen, welche Einwanderer wir wollen und welche nicht“, sagte die Kulturexpertin. Gesucht und gefragt seien gezielt qualifizierte Einwanderer. „Doch gerade den Qualifizierten machen wir es nicht leicht und drangsalieren sie durch Nichtanerkennung von akademischen Abschlüssen und arbeitsrechtliche Hürden“, kritisierte Grütters. Hier fordere sei, die Abschlüsse von Gutausgebildeten anzuerkennen und diese Menschen nicht zu minderqualifizierten Aushilfsjobs zu zwingen.
Auch der Berliner CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende Frank Henkel lehnt die Forderung Trapps ab. „Ich verweise auf unser einstimmig beschlossenes Integrationsprogramm. Dort ist die Forderung nach einem IQ-Test für Migranten nicht enthalten“, sagte HenkelWichtig sei, „kontinuierlich darüber zu diskutieren, wie wir Zuwanderung intelligent und im deutschen Interesse steuern können“. Wie Grütters betonte Henkel, dass Deutschland ein existenzielles Interesse an qualifizierten Zuwanderern habe. „Ich sehe allerdings keine Veranlassung, das Zuwanderungsgesetz jetzt erneut zu ändern“, betonte Henkel.
Beim Internetdienst Twitter schlägt das Thema hohe Wellen. Auch der SPD-Politiker Ralf Stegner reagiert dort und erklärt: „Union will Intelligenztests für Einwanderer. Was Alkohol alles anrichten kann... Wie wärs mit Intelligentests für solche Politiker?“
Der Zeitung Bild sagte Peter Trapp, innenpolitischer Sprecher der Berliner CDU: „Wir müssen bei der Zuwanderung Kriterien festlegen, die unserem Staat wirklich nützen. Maßstab muss außer einer guten Berufsausbildung und fachlichen Qualifikation auch die Intelligenz sein.“
Deutschland eine Verdummung durch Einwanderung zu unterstellen, verärgerte die Vorsitzende der Berliner SPD-Arbeitsgemeinschaft Migration. Sarrazin habe „erneut in menschenverachtender Weise verschiedene Bevölkerungsgruppen" attackiert, so Ülker Radziwill. Die stellvertretende Linke-Chefin Sahra Wagenknecht meinte, ein Rücktritt sei mehr als überfällig.




