Umfragewerte

Gabriel hilft das schwarz-gelbe Trauerspiel nicht

Immer mehr Wähler wenden sich von CDU/CSU und FDP ab. SPD-Chef Gabriel aber kann persönlich nicht davon profitieren.

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Rot-Grün hat in Umfragen die absolute Mehrheit. Wundern tut das keinen. Wer würde sich derzeit schon zur Wiederwahl der Regierung bekennen, wenn die nette Dame von Forsa oder Allensbach anruft. Die Botschaft ist banal: Unzufriedenheit. Fragt sich nur womit? Weil die schwarz-gelbe Koalition kalte neoliberale Entstaatlichung betreibt? Die meisten Bürger, die im September 2009 CDU oder FDP wählten, haben wohl eher das Problem, dass sie in einer Politik, die ihnen ständig als „alternativlos“ verkauft wird, keine liberalen oder konservativen Konturen mehr erkennen können. Die Forsa-Analyse ergibt, dass seit 4,8 Millionen Wähler der Koalition ins Nichtwählerlager abgewandert sind. Immer mehr Menschen kündigen CDU/CSU und FDP die Gefolgschaft auf, ohne zur rot-grünen Alternative zu wechseln. Ein erheblicher Teil des Führungspersonals will auch nicht mehr.

Man wird die Enttäuschten nicht zurückholen können, indem man versucht jedermanns Liebling zu sein. Interessanterweise sagt Forsa-Chef Güllner, das ständige Kokettieren mit grünen Positionen treibe die Wähler zu den Grünen. Lieber das Original als die Kopie. Wer keine klare Alternative zu Umverteilungspolitik, Regulierungswut, Fortschrittsfeindlichkeit und Klimaangst aufzeigt, ist für den freiheitsliebenden Teil der Bürger verzichtbar geworden. Wäre wirklich Bundestagswahl, würde ein Teil der Enttäuschten sicherlich dennoch hingehen, um noch schlechtere Politik zu verhindern. Aber es werden immer weniger, die sich dazu noch aufraffen können.

Bemerkenswert ist ein Nebenaspekt der Umfrage. Sigmar Gabriel profitiert als Parteivorsitzender nicht vom schwarz-gelben Trauerspiel. Eine große Mehrheit der SPD-Anhänger würde lieber Frank-Walter Steinmeier als Kanzlerkandidaten sehen. Dies kann ebenfalls als Signal gegen opportunistische Kuschelpolitik gelesen werden. Steinmeier wagt es, zu Afghanistan und anderen Themen gelegentlich unpopuläre Positionen klar zu vertreten und repräsentiert somit eher den Typus „Helmut Schmidt“. Gabriel dagegen versucht im eigene Lager das, was die Regierung vergeblich mit der Gesamtbevölkerung probiert: Gefühle bedienen, auf dass man von allen gemocht wird. Möglicherweise liegt darin der große Trugschluss. Franz Josef Strauß hat dieses Erkenntnis am schönsten formuliert: „Wer everybody’s Darling sein möchte, ist zuletzt everybody’s Depp.“