623 Mal strahlende Gesichter. Das ist die Bilanz nach vier Monaten Einbürgerungstest in Frankfurt am Main. „Nicht bestanden“ hieß es dagegen gerade einmal für eine Hand voll Enttäuschte. In Frankfurt wie überall in der Republik stellt der verpflichtende Test, dessen Bestehen seit 1. September 2008 Voraussetzung für eine Einbürgerung ist, für nur ganz wenige eine zu hohe Hürde dar.
Von den 18.000 Personen, die sich bis Ende November an dem Test versuchten, hätten ihn 98,9 Prozent geschafft, berichtet die „Rheinische Post“ unter Berufung auf das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. „Die hohe Quote sollte nicht gegen den Test sprechen“, sagt Barbara Cakir-Wahl, Leiterin der Volkshochschule Frankfurt am Main. Sie zeige vielmehr, dass diejenigen, die sich einbürgern lassen wollten, offensichtlich über ein großes staatsbürgerliches Wissen verfügten.
Zu den Tests können sich Einbürgerungswillige bei einer von rund 500 Volkshochschulen anmelden. Sie garantieren jedem Bewerber innerhalb einer Frist von zwölf Wochen die Teilnahme. 300 bundesweit einheitliche Fragen zur deutschen Geschichte, Politik, Kultur und Lebensweise können gestellt werden. Zehn Fragen beschäftigen sich mit dem Bundesland, in dem der Ausländer die Einbürgerung beantragt. Wer die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen will, muss von 33 ausgewählten Fragen mindestens 17 richtig beantworten.
Die Volkshochschulen (VHS) bieten neben den Tests auch Einbürgerungskurse an – mit geringem Erfolg, denn eine Verpflichtung zur Teilnahme gibt es nicht. Während in Frankfurt die Interessenten mittlerweile mehr werden, zweifelt man in München bereits am Sinn des Zusatzangebots. „Die Kurse werden nicht gut angenommen. Hier haben wir zu viel erwartet“, sagt Heike Richter, die das Fachgebiet Deutsch als Fremdsprache an der VHS München leitet.
Dabei haben sich viele Volkshochschulen bemüht, die Inhalte an den Erfahrungen der Noch-Ausländer auszurichten. Im Frankfurter Kursprogramm spielt etwa die Geschichte der Einwanderung nach Deutschland seit den 60er-Jahren eine große Rolle. Darüber hinaus wird über politische und gesellschaftliche Partizipationsmöglichkeiten aufgeklärt. Barbara Cakir-Wahl ist überzeugt, dass die Kurse mehr bringen als der Test, dessen Fragen und Antworten für jeden im Internet frei zugänglich sind: „Unser Anspruch muss doch sein, die politische Bildung der Leute zu verbessern. Das wird durch den Test nicht erreicht.“
Schon vor seiner Einführung wurde an dem Test gezweifelt. Die Fragen samt Antworten stießen zum Teil bei Verbänden auf heftige Kritik, weil sie als sachlich ungenau oder falsch bewertet wurden. Migrantenorganisationen warfen der Bundesregierung vor, die Hürden für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit ein weiteres Mal zu erhöhen. Diese Sorge war unbegründet, das zeigen die Quoten. Wer eingebürgert werden will, für den stellt der Test kein großes Hindernis dar. Er kann auch wiederholt werden.
So zeichnet sich eher eine Diskussion ab, in der der Einbürgerungstest wegen seines „Erfolgs“ in Frage gestellt wird. Eine Prüfung, die jeder besteht, wirkt auf viele unsinnig, nicht zuletzt auf die Migranten selbst. „Wahrscheinlich hatten die Verantwortlichen den falschen Typus Einwanderer im Kopf“, sagt Heike Richter. Die meisten Einwanderer leben seit vielen Jahren in Deutschland, viele verfügen nicht nur über hohe sprachliche, sondern auch über hohe berufliche Qualifikationen. „Deshalb können die meisten keinen Sinn darin erkennen, einen Kurs zu Geschichte, Politik und Lebenswelt ihrer neuen Heimat zu besuchen und dann auch noch einen Test abzulegen“, so Richter. „Sie ziehen es halt durch.“
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