Bei insgesamt vier Anschlägen auf die Bundeswehr in Afghanistan sind am Wochenende fünf deutsche Soldaten zumeist leicht verwundet worden. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam wurde am Samstag rund 60 Kilometer südlich von Feisabad eine Patrouille mit einem behelfsmäßigen Sprengsatz angegriffen. Dabei wurden drei deutsche Soldaten und ein afghanischer Übersetzer verletzt. Einer der Soldaten soll nach Deutschland zurückgebracht werden. Lebensgefahr bestehe nicht. Das Fahrzeug der Patrouille vom Typ „Dingo“ wurde schwer beschädigt.
Am Sonntag wurden bei zwei weiteren Bombenanschlägen auf Fahrzeuge der Bundeswehr zwei deutsche Soldaten verletzt. Den Angaben zufolge geriet am Westrand von Kundus zunächst eine Patrouille in eine Sprengfalle. Dabei wurde niemand verletzt. Das Fahrzeug wurde leicht beschädigt. Als deutsche Kräfte später versuchten, das Fahrzeug abzuschleppen, wurde eine weitere Sprengfalle ausgelöst, durch die zwei Soldaten leicht verwundet wurden. Ein Sprecher der Taliban bekannte sich zu den Anschlägen.
Glimpflich verlief am Samstag ein Angriff auf deutsche Soldaten nahe Kundus. Die Patrouille wurde laut Einsatzführungskommando mit Handwaffen und Panzerabwehrwaffen beschossen. Die Soldaten hätten jedoch ausweichen können. Niemand sei verletzt worden.
Am gleichen Tag sollen bei einem Luftangriff der Nato im Osten Afghanistans fünf Zivilisten getötet worden sein. Der Leiter der Gesundheitsbehörde der Provinz Chost, Rahmazai Mangal, sagte, am Samstag seien im Provinzkrankenhaus die Leichen von fünf Zivilisten eingeliefert worden. Unter den Todesopfern seien zwei Mädchen im Alter von sieben und acht Jahren. Ein 14-jähriger Junge sei bei dem Angriff verletzt worden. Der Polizeichef von Chost, Abdul Hakim Ischaksai, erklärte, das Bombardement sei gegen Stellungen der radikalislamischen Taliban im Bezirk Mussa Chel gerichtet gewesen. Außer den Zivilisten seien 38 Taliban-Kämpfer getötet worden.
Das afghanische Innenministerium und die Nato bestätigten den Vorfall zunächst nicht. Die Angaben würden überprüft, hieß es in Erklärungen. Der Befehlshaber der Nato-Truppe in Afghanistan, US-General Stanley McChrystal, hatte das Ziel ausgegeben, die Zahl ziviler Opfer bei Nato-Angriffen zu verringern. Laut einer UN-Studie nahm die Zahl ziviler Todesopfer im vergangenen Jahr um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab.
Zahl der Bombeanschläge hat sich erhöht
Dennoch zeichnet ein neuer Bericht der Vereinten Nationen ein düsteres Bild von der Lage in Afghanistan. Die Zahl der Bombenanschläge und Angriffe habe zu Beginn des Jahres deutlich zugenommen, heißt es in dem am Samstag veröffentlichten Papier, das UN-Generalsekretär Ban Ki-moon dem Sicherheitsrat zugeleitet hat. Nach Bans Darstellung hat sich die Sicherheitslage „nicht verbessert“. Allerdings sehen auch die Vereinten Nationen einen Zusammenhang zu der Offensive der Nato- und USA-Truppen im Süden des Landes.
„Im Ganzen hat sich die Zahl der Zwischenfälle im Vergleich zu den Vorjahren signifikant erhöht“, heißt es in dem Bericht. So habe es zu Beginn des Jahres fast doppelt so viele Bombenanschläge gegeben wie ein Jahr zuvor. In den ersten vier Monaten sei die Zahl der Angriffe mit Sprengsätzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 94 Prozent gestiegen. Der Bericht spricht von einem „alarmierenden Trend“. Jede Woche gebe es drei Selbstmordattentate, die Hälfte davon im Süden des Landes.
Zwei Angriffe im Monat müssten als „umfassend“ gelten – also gut geplant mit mehreren Angreifern und mit vielen Toten und Verletzten. Im vergangenen Jahr gab es im Schnitt nur einen größeren Anschlag pro Monat. „Die Verschiebung zu komplexeren Selbstmordangriffen zeigt die wachsende Fähigkeit der mit Al-Kaida verbundenen örtlichen Terrornetzwerke“, heißt es.
Der UN-Bericht sieht aber auch „trotz der instabilen Sicherheitslage einige positive Entwicklungen“ im zivilen Bereich. Seit die afghanische Regierung die Führung beim Aufbau des Landes übernommen habe, gebe es sichtbare Erfolge. Deshalb müsse die „Afghanisierung“ in den Bereichen Sicherheit, Verwaltung und Entwicklung das Hauptziel aller bleiben.
AFP/dpa/pku















