Die Bomben waren in Holzkarren versteckt, eine auf einem belebten Markt vor einer Bank, die andere vor einer Schule. Die Explosionen in Laschkargah in der südafghanischen Provinz Helmand töteten drei Zivilisten, 20 Menschen wurden verletzt. Ein weiterer Sprengsatz konnte rechtzeitig entschärft werden.

Auf dem Kandahar-Herat-Highway fuhr ein Minibus auf eine Mine, vier Frauen, drei Kinder und zwei Männer starben.

Ashley Smith hatte Dienst an einem Kontrollpunkt in der Provinz Helmand, als der Sprengstoff ferngezündet wurde. Der 21-jährige war der 299. britischer Soldat, der seit dem Jahr 2001 in Afghanistan starb.

Gewalt nimmt drastisch zu

Diese Anschläge und Anschlagsversuche der vergangenen drei Tage sind Anzeichen eines „alarmierenden Trends“, wie die Vereinten Nationen warnen. Nach einem Bericht des Sicherheitsrates über die Entwicklung von Januar bis April hat die Gewalt im Vergleich zu den ersten vier Monaten des Vorjahres drastisch zugenommen. Im Durchschnitt verüben die aufständischen Taliban einen Bombenanschlag pro Tag und setzen jeden dritten Tag einen Selbstmordattentäter ein. Die Zahl der Anschläge hat sich damit im Vergleich zu Anfang 2009 verdoppelt, die der Selbstmordattentate sogar verdreifacht.

Die zunehmende Gewalt ist „dem Anstieg an Militäroperationen (der Nato) im Süden während des ersten Quartals 2010 zuzuschreiben“, heißt es im UN-Bericht. Im Februar begann die Nato in der Provinz Helmand die Großoffensive „Operation Muschtarak“, im Frühjahr eine Offensive in der Nachbarprovinz Kandahar. Offenbar als Reaktion auf diese militärische Übermacht gehen die Taliban nach Ansicht der UN gezielt gegen Zivilisten vor. „Die Aufständischen machen ihre Drohungen gegen die Zivilbevölkerung wahr, mit durchschnittlich sieben Anschlägen pro Woche, die Mehrzahl davon in den südlichen und südöstlichen Regionen“, heißt es in dem UN-Bericht. Etwa 70 Prozent aller in Afghanistan getöteten Zivilisten seien Opfer der Taliban.

Doch auch im Norden häufen sich die Angriffe. Fünf deutsche Soldaten wurden bei einer Serie von Anschlägen verletzt. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos in Potsdam wurde die Bundeswehr am Wochenende insgesamt viermal zum Ziel von Aufständischen. Der folgenschwerste Anschlag ereignete sich 60 Kilometer südlich der Stadt Faisabad, als neben einer Patrouille ein Sprengsatz explodierte. Drei deutsche Soldaten und ein afghanischer Übersetzer wurden verletzt. Lebensgefahr bestehe jedoch nicht, hieß es.

Zwei weitere deutsche Soldaten wurden bei Anschlägen in dem zur Provinz Kundus gehörenden Unruhedistrikt Char Darah verwundet. Zunächst geriet eine Patrouille in eine Sprengfalle. Dabei wurde niemand verletzt. Bei dem Versuch, das beschädigte Fahrzeug abzuschleppen, detonierte aber eine weitere Bombe, durch die zwei Soldaten leicht verwundet wurden. Die deutschen Soldaten wurden zudem mit Handwaffen und Panzerabwehrwaffen beschossen und erwiderten das Feuer.

Zwölf tote Taliban

Ausländische und afghanische Truppen haben in jüngster Zeit ihre Aktivitäten gegen die Taliban in der Provinz Kundus verstärkt. So wurden bei einem Einsatz am Wochenende zwölf Taliban-Kämpfer getötet, unter ihnen einen Anführer. Mullah Abdul Rasak soll laut Nato für zahlreiche Anschläge in der Region verantwortlich sein. Ob auch die Bundeswehr an der Operation beteiligt war, ist nicht bekannt.

Für die Autoren des UN-Berichts ist es besorgniserregend, dass nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität der Taliban-Operationen zunimmt. Etwa zwei Anschläge pro Monat werden von der Nato als „aufwendig“ eingestuft: Sie sind komplex, mit mehreren Angreifern, gut geplant und führen zu vielen Toten und Verletzten: „Die Verschiebung zu komplexeren Selbstmordangriffen zeigt die wachsende Fähigkeit der mit al-Qaida verbundenen örtlichen Terrornetzwerke.“ Im vergangenen Jahr gab es im Schnitt nur einen größeren Anschlag pro Monat.

Es gebe aber auch „positive Entwicklungen“ im zivilen Bereich, heißt es in dem Bericht weiter. Seit die afghanische Regierung die Führung beim Aufbau des Landes übernommen habe, gebe es sichtbare Erfolge. Deshalb müsse die „Afghanisierung“ in den Bereichen Sicherheit, Verwaltung und Entwicklung das Hauptziel aller bleiben.

Eine eigentlich erfreuliche Meldung der vergangenen Woche treibt einigen Experten allerdings Sorgenfalten auf die Stirn: Die kürzlich in Afghanistan entdeckten umfangreichen Vorkommen an Eisenerz, Kupfer, Gold und Lithium dürften die Taliban noch stärker anspornen, das Land und seine Reichtümer unter Kontrolle zu bringen – und gleichzeitig die jetzt schon den zivilen Aufbau lähmende Korruption im Staatsapparat verschärfen

mit dpa