Niemand erwartet von einem Spitzenpolitiker, dass er in einer verrosteten Ente vorfährt. Oder sich gar mit seinen Akten in einen Mini zwängt. Deutlich größer, bequemer und vor allem repräsentativer soll die Staatskarosse schon sein. Eine noble Limousine muss dabei aber nicht unbedingt ein Spritfresser sein.
"Das komplette Bundeskabinett ist jedoch weiterhin mit übermotorisierten Fahrzeugen unterwegs", kritisiert die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Sie hat deutschen Politikern bereits zum dritten Mal unter die Motorhaube ihrer Dienstwagen geschaut. In Berlin stellte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch jetzt die Ergebnisse vor: Danach gingen die Spritverbräuche zwar leicht zurück. Doch insgesamt liegen der Verbrauch und damit der Ausstoß von Kohlendioxid (CO
2
) noch immer weit über dem EU-Zielwert von 120 Gramm CO
2
pro Kilometer, sagte Resch. Die Politiker nutzten weiterhin „Klimakiller-Limousinen“ und seien damit von einer „Vorbildrolle in Zeiten des Klimawandels“ weit entfernt.
Größter Spritfresser ist nach Recherchen der DUH der Audi A8 4.2 FSI quattro von Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). Ihr Benziner hat 350 PS, verbraucht 15,7 Liter im Stadtverkehr auf 100 Kilometern und stößt 259 Gramm CO
2
pro Kilometer aus. An zweiter Stelle folgt Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) mit einem VW Phaeton V6 TDI. Der 240-PS-Diesel stößt 240 Gramm CO
2
aus. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dagegen hat den CO
2
-Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr deutlich von 222 auf 188 Gramm gesenkt. Er lässt sich jetzt in einem Mercedes-Benz S400 Blue Hybrid chauffieren.
Es sei erstaunlich, dass trotz der monatelangen Diskussion über klimafreundliche Fahrzeuge und alternative Antriebe „nicht mehr Politiker ihre Prominenz und Vorbildrolle nutzten“, um für solche innovativen Fahrzeuge zu werben, sagte Resch. Er verwies auf die Berliner Umweltsenatorin Karin Lompscher (Die Linke) und ihre Hamburger Kollegin Anja Hajduk (Grüne), die einen Toyota Prius nutzten. Dieses sogenannte Hybridfahrzeug stößt nur 104 Gramm CO 2 aus.
Als positiv wertete Resch auch, dass die Auskunftsbereitschaft der Bundes- und Länderministerien zugenommen habe. Er vermute jedoch, dass die größten Klimakiller unter den Dienstwagen der Länder-Ministerpräsidenten zu finden seien. Bislang hätten die Staatskanzleien jedoch jede Auskunft verweigert, sagte Resch. „Da vermute ich reihenweise Fahrzeuge, deren Motorisierung an die der schwersten Lkw heranreicht, die auf deutschen Straßen zugelassen sind.“




