Präsidentenwahl

Im Internet ist Joachim Gauck schon ein Star

Ginge es nach dem Willen vieler Facebook-Nutzer, wäre Gauck schon gewählt. Nun wollen Tausende für den 70-Jährigen demonstrieren.

Die Bundespräsidenten-Frage bewegt die Web-Community wie selten zuvor ein Thema. Dürften Facebook-und Twitter Nutzer den Bundespräsidenten wählen – das Ergebnis wäre seit vielen Tagen absolut klar. „Wir sind Gauck“. Seit Tagen verschickt die Fangemeinde im Netz Twittermeldungen und Pro-Gauck Kommentare, um Freunde und möglichst viele User von ihrem Kandidaten zu überzeugen.

Und das aus kreative Weise: Hunderte Twitter-Nutzer haben aus ihren eigenen Portraitfotos das Gesicht von Joachim Gauck gebastelt – als interaktives Mosaik. Jeder Twitter-User, der einen Eintrag mit „mygauck“, einem sogenannten Hashtag laut Twitter-Sprache versieht, dessen Nutzerfoto wird automatisch als ein kleiner Teil von Gaucks Kopf angezeigt. Bis Mittwochnachmittag hatten sich etwa 3500 Nutzer an der Aktion beteiligt.

Die Idee dazu hatte ein Münchner Social-Media-Berater, Thomas Pfeiffer, der sich nach dem Rücktritt Horst Köhlers als Bundespräsidenten darüber ärgerte, dass Kanzlerin Angela Merkel nach nur drei Tagen bereits Christian Wulff als neuen Kandidaten präsentierte. Nach Pfeiffers Geschmack viel zu schnell, ohne wirkliche Debatte vor der Verkündigung.

Aber der rot-grüne Gegenkandidat – Joachim Gauck, der ehemalige Chef der Stasi-Unterlagenbehörde – der beeindruckte ihn. Deswegen machte er sich für Gauck stark und machte aus seinem Kopf ein digitales Mosaik für das Netz.

Jetzt plant die Netzgemeinde schon die nächste Aktion. Eine Pro-Gauck-Demonstration, aber nicht im Netz, sondern auf der Straße. Am 17. Juni – dem Tag des ehemaligen Volksaufstands in der DDR von 1953. Der Facebook-User, der den Termin vorschlägt, schreibt: „Immerhin hat sich an diesem Tag schon einmal das Volk (in der DDR) gegen die Arroganz der Herrschenden erhoben und den Parteioberen gezeigt, dass es nicht alles mit sich machen lässt.“ Das will die Netzgemeinde jetzt wohl wiederholen.

Die User verabreden sich derzeit für Demonstrationen in mehreren deutschen Städten – sie sollen der Auftakt für weitere Aktionen bis zum 30. Juni werden, sagt Rainer Ohliger, ein Berliner Historiker und Sozialwissenschaftler, der die Veranstaltungen organisiert. Er ist erst seit zwei Tagen Mitglied bei Facebook und hat sich sofort für die Pro-Gauck-Bewegung eingesetzt.

„Das ist aus Sympathie für Gauck passiert, aus dem Unbehagen für den semi-demokratischen Nominierungsprozess des Kandidaten Wulff heraus, aus Enttäuschung über die momentane politische Situation“, sagt Ohliger. Geplant sind eine große Pro-Gauck-Demonstration auf dem Alexanderplatz in der Hauptstadt und schon in München, Leipzig, Mainz, Wiesbaden, Schwerin.

Noch ist nicht klar, wie genau sich die User in allen Städten Deutschlands für die Demonstration organisieren, aber schon werden Slogans wie „Go for Gauck“, „Wir für Gauck“ oder „Wir wollen Gauck“ diskutiert, Plakate und Flyer sollen gedruckt werden, die Organisatoren haben sich bereits eine entsprechende Domain ( hier ) reserviert.

Dort sollen Demonstranten auch Vorlagen downloaden können – für T-Shirts, Plakate und Fotos und schon heute sollen Informationen zu den geplanten Demos in den jeweiligen Städten auf der Homepage zu finden sein. 16 Ansprechpartner, die lokale Aktionen koordinieren, haben sich bereits gefunden.

Die Organisatoren im schwäbischen Reutlingen waren besonders schnell. Dort steht bereits der Ablaufplan. Das Motto: "Stimmen für Joachim Gauck“, Versammlung mit Infostand auf dem Marktplatz in Reutlingen, am 17. Juni um 18 Uhr. Es soll eine Foto-Aktion mit „Gesichter für Gauck“ geben, zuvor eine regionale Email-Aktion, um möglichst viele Menschen zu mobilisieren, Flyer, Postkarten und symbolische Wahlkarten. Der Hinweis aus Reutlingen an die Facebook-Nutzer: „Ihr müsst Euch sputen!“

Für die Netzgemeinde, die gerade selbst ihren wachsenden Einfluss entdeckt, steht fest: „Gauck ist definitiv die erste Wahl.“ Dafür wollen sie mit einer Bürgerbewegung eintreten. Denn, wie ein User schreibt, „mit Joachim Gauck hat das Land endlich wieder die Chance, einen wahren, unabhängigen Intellektuellen für das Amt des Bundespräsidenten zu gewinnen.“

Der Facebook-Aufruf zur Demonstration für Joachim Gauck

Gaucks Fans bei Twitter

Die Seite "Joachim Gauck als Bundespräsident"

Die Seite "Wir wollen Joachim Gauck"

Die Seite "Joachim Gauck for President"

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