Die Bewerberin der Linken für das Amt des Bundespräsidenten, Luc Jochimsen, sieht sich nicht als bloße Zählkandidatin. „Das ist ein Begriff, den ich zutiefst undemokratisch finde“, sagte Jochimsen in Potsdam. Dort stellte sie sich anlässlich einer Sitzung der Linksfraktion im Landtag vor. Ihre Mitbewerber um das Amt des Bundespräsidenten am 30. Juni sind der frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck und der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU). „Zur Wahl gehört dazu, dass die Entscheidung zwischen mehreren Kandidaten fällt“, sagte sie.

Jochimsen verteidigte noch einmal, warum sie den Begriff „Unrechtsstaat“ für die DDR nicht verwende, wofür sie heftig von der schwarz-gelben Koalition kritisiert worden war. „Ich wehre mich dagegen, nicht mit meinen eigenen Worten zu beschreiben, wie ich die DDR sehe“, betonte sie. Unrechtsstaat sei kein juristischer Begriff, stellte sie klar: „Warum muss ich diese Vokabel benutzen.“ Sie wolle mit eigenen Worten beschreiben können, wie sie die DDR sehe. Wie man daraus nun schließen könne, dass die Opfer verhöhne, sei ihr unerklärlich.

Jochimsen betonte, dass sie die Aufgabe einer Bundespräsidentin als Integrationsfigur sehe. Es sei alarmierend, dass die derzeitige Regierung gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung agiere, unter anderem bei den Themen Rente mit 67, Afghanistan-Einsatz oder Arbeitslosigkeit. Sie stelle sich der am 30. Juni, auch weil sie für eine vereinte Gesellschaft eintrete, die aus Ost und West besseres schaffe, „als das, was wir zurzeit haben“.

dpa/sh