SPD-Chef Franz Müntefering erwartet im Wahlkampf sinkende Umfragewerte für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Die Kanzlerin ist nicht die ideale Wahlkämpferin, weil sie kommunikativ nicht überzeugt. Sie agiert momentan noch aus der Rolle der Geschäftsführerin der Bundesregierung und mit präsidialer Attitüde“, sagte Müntefering der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Der SPD-Chef prognostizierte, wenn es zum Duell zwischen SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und Merkel komme, „ist das vorbei“. Müntefering fügte hinzu: „Ein Frank-Walter Steinmeier wie auf dem Parteitag – weshalb sollen wir vor Frau Merkel Angst haben?“

Müntefering warf der Kanzlerin ferner vor, sie sei im Fall Opel „unehrlich“ gewesen. Die Kanzlerin habe ein Rettungskonzept mitgetragen und anschließend den Widerstand von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) dagegen öffentlich gelobt. „Wenn die Kanzlerin erst sagt, das ist nötig, dann aber den Guttenberg als tollen Kerl lobt, ist das unehrlich. Man kann nicht gleichzeitig für und gegen etwas sein“, sagte Müntefering.

Der SPD-Vorsitzende bekräftigte die Absicht, den Kampf um Arbeitsplätze zum zentralen Wahlkampfthema zu machen und sprach sich für aktive Eingriffe des Staates in das Wirtschaftsgeschehen aus. Zur sozialen Marktwirtschaft gehöre, dass die Politik nicht zusieht, wie Arbeitsplätze unnötigerweise verloren gingen. „Die Menschen wollen nicht, dass sich der Staat dann aus allem raushält“, sagte Müntefering weiter.

Die Umfragewerte der SPD sind nach einer Umfrage des Forsa-Instituts auf dem schlechtesten Stand seit dem Sturz des damaligen Parteichefs Kurt Beck Anfang September 2008. Demnach würden derzeit nur 21 Prozent der Deutschen die SPD wählen.

Wie die Umfrage weiter ergab, ist das Vertrauen in die Kompetenz der SPD ist so gering wie lange nicht mehr. Nur noch sechs Prozent der 2501 Befragten vertraten die Ansicht, die SPD werde am besten mit den Problemen in Deutschland fertig. Von der Union nehmen dies 29 Prozent der Deutschen an.

Die Schwäche der SPD schlägt sich auch auf das Ansehen von Kanzlerkandidat Steinmeier nieder. Wenn die Bundesbürger den Bundeskanzler direkt wählen könnten, würden nur 20 Prozent für den amtierenden Außenminister stimmen, 53 Prozent würden sich für Amtsinhaberin Merkel entscheiden.

Die Umfrage wurde allerdings vor der umjubelten Rede von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier auf dem Berliner Parteitag am Sonntag durchgeführt.

ddp/dpa/ks