Die Bürger haben klare Vorstellungen vom Sparkurs: Der Staat sollte einer Umfrage zufolge seine Ausgaben kürzen, statt Finanzlücken mit höheren Einnahmen zu stopfen. Vor die Wahl gestellt, ob der Staat lieber seine Ausgaben einschränken oder – etwa durch Steuererhöhungen – mehr Geld einnehmen sollte, entscheiden sich fast drei Viertel (73 Prozent) für die erste Variante.
Zugleich sehe die Bevölkerung gravierende Mängel bei der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und der Heinz Nixdorf Stiftung.
70 Prozent der Befragten halten die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland für kaum oder gar nicht gerecht. 60 Prozent monieren, dass die Bundesrepublik den Menschen sehr unterschiedliche Chancen biete. 59 Prozent sind der Meinung, dass es kaum oder keine Generationengerechtigkeit gebe.
Wenn Sparanstrengungen erfolgreich sein sollen, müssten sie von den Menschen akzeptiert werden, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Gunter Thielen. „Ohne soziale Gerechtigkeit wird es keine Zustimmung geben.“
Die Befragten, die auf höhere Staatseinnahmen setzen, befürworten vor allem die Anhebung des Spitzensteuersatzes oder die Wiedereinführung der Vermögensabgabe.
Bei der vor dem Sparpaket der Bundesregierung erfolgten Befragung gab es kein klares Meinungsbild zu den Leistungen für Hartz IV- Empfänger. Zwar spricht sich fast die Hälfte der Bürger (49 Prozent) dafür aus, nur den lebensnotwendigen Bedarf wie Nahrung, Kleidung, Unterkunft und medizinische Versorgung abzudecken. Immerhin 39 Prozent fordern darüber hinaus aber auch Leistungen, die gesellschaftlich-kulturelle Teilhabe wie Kino- oder Theaterbesuche ermöglichen.
Für die Erhebung wurden zwischen 8. und 20. Mai 1767 Menschen über 18 Jahre befragt.
dpa/ks




