Der Luftwaffen-Airbus "Theodor Heuss“ hatte am Freitagmorgen in Shanghai gerade abgehoben, da ertönte bald darauf in der Kabine des Flugzeuges eine Stimme aus den Lautsprechern: „Ich bitte um Ihre Aufmerksamkeit. Hier spricht der Bundespräsident“, setzte Horst Köhler an. Dann informierte Köhler die knapp 60 Mitreisenden über sein bis dato geheim gebliebenes Vorhaben, die Bundeswehrsoldaten im afghanischen Mazar-i-Sharif zu besuchen.
Die Maschine der Bundesregierung, die Köhler von seinem Aufenthalt in China nach Deutschland zurückbringen sollte, wählte daher eine andere Route als geplant. Statt des Tank-Zwischenstopps im russischen Nowosibirsk ging es ins usbekische Termez, wo das Staatsoberhaupt am Nachmittag (Ortszeit) eintraf.
Er wolle mit Soldaten und zivilen Aufbauhelfern sprechen und ihnen seine Unterstützung signalisieren, sagte Köhler während des Fluges nach Termez. Hier traf er zunächst den usbekischen Ministerpräsidenten für ein kurzes Gespräch.
Nach dieser Unterredung startete Köhler mit einer Transall-Maschine („Else“) der Bundeswehr ins deutsche Feldlager Mazar-i-Sharif. Mit dabei: Ehefrau Eva Luise, Verteidigungs-Staatssekretär Rüdiger Wolf und Brigadegeneral Frank Leidenberger. Köhler besucht zum ersten Mal während seiner fast sechsjährigen Amtszeit als Staatsoberhaupt die Bundeswehr in Afghanistan. Überhaupt ist es der erste Besuch eines Bundespräsidenten bei deutschen Soldaten in Afghanistan. Die Reise war aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim gehalten worden.
Mit seinem Besuch stelle sich Köhler hinter die Arbeit der Bundeswehr in Afghanistan und wolle zeigen, dass das Land hinter dem Einsatz stehe, heißt es im Umfeld des Bundespräsidenten. Die Mehrheit der Deutschen steht dem Afghanistan-Einsatz kritisch gegenüber.
Köhler wollte mit einfachen Soldaten sprechen, etwas über deren Sorgen, Nöte und Anliegen erfahren. Mit einem etwa dreistündigen Aufenthalt wird gerechnet. Bereits im August vergangenen Jahres hatte Köhler das Jägerregiment I der Bundeswehr in Colbitz-Lentzlinger Heide (bei Magdeburg) besucht, wo Soldaten auf ihren Einsatz in Afghanistan vorbereitet werden. Hier wurde Köhler unter anderem ein Manöver vorgeführt.
Köhler absolviert mit dem heutigen Termin seinen dritten Besuch bei deutschen Soldaten im Ausland. Im Jahre 2004 zum Bundespräsidenten gewählt, reiste er wenige Monate später zur Operation Enduring Freedom; in Dschibuti besuchte er die Fregatte Mecklenburg-Vorpommern. Vor drei Jahren war er Gast der deutschen Soldaten in Sarajewo. Einst diente Köhler selbst bei der Bundeswehr: 18 Monate lang war er als junger Mann Soldat – und diente dabei als Panzergrenadier.
Während Köhlers Blitzbesuch wartet die Begleitung seiner China-Reise – eine Wirtschaftsdelegation, Mitarbeiter von Präsidialamt, Auswärtigem Amt und Bundespresseamt, Sicherheitsbeamte und Journalisten – im Bereich des Flughafens Termez. Danach ist der Weiterflug nach Deutschland geplant. Köhler und seine Entourage werden am späten Freitagabend zurück in Berlin-Tegel erwartet.




