Laut Politbarometer sind die genannten 54 Prozent dafür, die deutschen Meiler über das Jahr 2021 hinaus laufen zu lassen. Dies ist das Zieldatum für den Atomausstieg, der im Jahr 2000 von der rot-grünen Bundesregierung und den Energieversorgern vertraglich festgelegt worden war.

Noch im Dezember 2007 hatten 53 Prozent der Befragten längere AKW-Laufzeiten abgelehnt; damals waren nur 40 Prozent dafür. Inzwischen plädieren rund drei Viertel der Anhänger von Union und FDP für längere Laufzeiten. Die Anhänger der SPD sind in dieser Frage gespalten. Nur die Anhänger der Linken und besonders die der Grünen stehen noch mehrheitlich zum Atomausstieg bis 2021.

SPD-Vizechef Frank-Walter Steinmeier bekräftigte die offizielle Linie der SPD, am Atomausstieg festzuhalten. Sonst würden Investitionen in andere Kraftwerkstechnologien unterbleiben, sagte Steinmeier der „Frankfurter Rundschau“. Damit würden riesige Exportchancen verspielt.


Sorge äußerte Steinmeier über die Bestrebungen anderer Länder weltweit, Atomkraftwerke zu bauen. Ein Atomkraftwerk sei kein Kühlschrank. Der Betrieb erfordere Sicherheitstechnologie, verlässliche Aufsichtsstrukturen und politische Stabilität. Brisant sei auch die ungelöste Endlagerproblematik, weil spaltbares Material in die Hände von Kriminellen und Terroristen gelangen könnte.


Unterstützung für ihren Kurs bekommt die SPD vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Die Energiepreisfrage wird durch Atomstrom nicht gelöst“, sagte DGB-Vorstand Dietmar Hexel dem „Handelsblatt“. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast bekräftigte im Bayerischen Rundfunk noch einmal, dass Atomkraft auch keine Lösung im Kampf gegen den Klimawandel sei.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU), der für längere Laufzeiten ist, äußerte im ZDF Verständnis für die Energieversorger, die mit Kraftwerks-Revisionen die Abschaltung hinauszögern. Das sei legitim. Bei der Wahl 2009 werde auch über den Atomausstieg entschieden, sagte er in der ZDF-Sendung Maybritt Illner.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) warnte vor einem langsameren Wirtschaftswachstum wegen des Atomausstieges. Es gebe eine Lücke, die den Energiekonsum der Wirtschaft begrenze, sagte der Energie- und Konjunkturexperte der „Bild“-Zeitung. Damit sei das Ziel der Vollbeschäftigung in Gefahr.

AP/omi