Knapp vier Monate vor der Bundestagswahl sind 36 Prozent der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger noch unsicher, welcher Partei sie ihre Stimme geben werden. Das ist eines der Ergebnisse des Deutschlandtrends von Infratest dimap für den Monat Mai im Auftrag der ARD-Tagesthemen und Morgenpost Online.
Die Anhänger der Oppositionsparteien sind in ihrer Wahlentscheidung dabei wesentlich gefestigter als diejenigen des Regierungslagers. 27 Prozent der SPD- und 25 Prozent der Unionssympathisanten wissen noch nicht, ob sie ihr Kreuzchen bei „ihrer“ Partei machen werden. Dagegen geben 90 Prozent der Linke-Anhänger an, sich entschieden zu haben.
Wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, würden 34 Prozent die Union wählen. Damit bleibt das Ergebnis der Kanzlerinnen-Partei gegenüber dem Vormonat unverändert, obwohl Angela Merkel erneut bei den Zufriedenheitswerten punkten konnte. 69 Prozent finden ihre politische Arbeit gut, ein Plus von fünf Prozent gegenüber April.
Der SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier kann sich um zwei Punkte auf 68 Prozent verbessern. Auch in der Sonntagsfrage legen die Sozialdemokraten zu, sie erreichen 27 Prozent (plus eins).Insgesamt scheinen die Bürger derzeit aber vor großen
Richtungsänderungen zurückzuschrecken. Die geringen Abweichungen sprechen dafür, dass der beginnende Wahlkampf die Wählerinnen und Wähler noch unbeeindruckt lässt. So verharren die Grünen bei 11 Prozent, die FDP erreicht 14, die Linke 10 Prozent, beide Parteien haben damit einen Prozentpunkt eingebüßt.
Angesichts der Wirtschaftskrise vertrauen die Bürger weiter den konservativen Parteien. Auch wenn der Zuspruch zu allen denkbaren Koalitionen seit Dezember nachgelassen hat, glaubt eine Mehrheit von 46 Prozent, dass ein Bündnis aus Union und FDP immer noch das Beste für das Land wäre.
Fast ebenso viele (44 Prozent) wollen, dass die nächste Bundesregierung von der CDU/CSU geführt wird. Nur 33 Prozent – die übergroße Mehrheit der Anhänger von Grünen, SPD und Linken – sehen die SPD in dieser Verantwortung.
Ein rot-rot-grünes Bündnis bleibt jedoch die unattraktivste Option. Nur 17 Prozent der Wahlberechtigten erkennen in dieser Koalition Vorteile für das Land – das sind sogar sechs Prozentpunkte weniger als im Dezember. Die Wirtschaftskrise hat mithin nicht dazu geführt, dass die Wähler linke Politikkonzepte auch in einer entsprechenden linken Regierung widergespiegelt sehen wollen.
Die linken Parteien dürften jedoch aus der anstehenden Europawahl gestärkt hervorgehen. Die SPD kann in der aktuellen Umfrage gegenüber der Wahl 2004 um 6,5 Prozentpunkte auf 28 Prozent zulegen. Die Linke käme derzeit auf acht Prozent (2004, PDS: 6,1), die Grünen erreichen 12 Prozent (2004: 11,9). Die Gewinne gehen zu Lasten der Union, sie verliert 7,5 Prozent und kommt auf nur noch 37 Prozent. Die FDP kann mit 10 Prozent (2004: 6,1) rechnen. Keine Chance auf einen Einzug in das Europaparlament hätten derzeit die Freien Wähler. Die Gruppierung scheitert klar an der Fünfprozenthürde.




