Gerhard Schröder mag gegen den „Baron aus Bayern“ wettern, wie er kann und mag. Dennoch erklimmt Karl-Theodor zu Guttenberg bei den Wählern Sympathiehöhen, die für einen Wirtschaftsminister bislang als unerreichbar galten. Um gleich zehn Punkte legte er im Deutschlandtrend bei der Frage nach der Zufriedenheit mit seiner politischen Arbeit zu.

Der juvenile CSU-Politiker kommt damit auf eine Zufriedenheitsquote von 61 Prozent und liegt nicht weit hinter Kanzlerin und Vizekanzler. Dass Guttenberg „genau weiß, was er will“, glauben gar 75 Prozent – bei Angela Merkel stimmen dieser Aussage 72, bei Frank-Walter Steinmeier 66 Prozent zu.

Der charismatische Freiherr ist ein Glücksfall für die Union. Er gelt sein Haar, spielt Klavier, besucht den Gottesdienst und ist Fan der AC/DC-Hardrocker. Er kümmerte sich in seiner Partei zuerst um Außenpolitik, wurde im November Generalsekretär und führt seit Februar mit einer solchen Selbstverständlichkeit das Wirtschaftsressort, dass man sich kaum vorstellen mag, er war nicht schon immer da. Mit dieser Harmonie der Gegensätze befreit ausgerechnet ein Adeliger das Bürgerliche vom Stigma des Spießigen.

Aber Guttenberg, der einzige Popstar unter Deutschlands Politikern, tut nicht nur etwas für das Image der Union, sondern auch für den Ruf des deutschen Wählers. Im Superwahl- und Superkrisenjahr schien das ungeschriebene Gesetz zu gelten, dass nur Politiker akzeptiert werden, die jedem schlingernden Unternehmen Steuergelder nachwerfen.

Steinmeier intonierte diesen Sound im Fall Opel, Merkel und viele andere folgten. Guttenberg aber machte seinen Widerspruch öffentlich. Und der Wähler strafte ihn dafür nicht ab, sondern honorierte seine Haltung. Wohl auch wegen dieses Echos auf seine Geradlinigkeit ließ sich die Politik im Falle Arcandor nicht mehr erpressen.

Irgendwann mag auch Guttenberg von Fehlern und Unzulänglichkeiten eingeholt werden. Doch bewiesen hat er bereits jetzt, dass Politikverdrossenheit endet, wenn der Wähler nicht unterschätzt wird.