Der Wahlausgang in Nordrhein-Westfalen ist weder ein Sieg für die SPD, noch ist er die Chance für einen Neuanfang an Rhein und Ruhr. Das Votum der Wähler ist schlicht eine weitere schallende Ohrfeige für CDU und SPD.

Ein Großteil der Gesellschaft fühlt sich bei den einstigen Volksparteien nicht mehr aufgehoben und wendet sich ab. Jürgen Rüttgers fuhr das schlechteste Ergebnis seiner Partei nach dem Zweiten Weltkrieg in Nordrhein-Westfalen ein, Hannelore Kraft das zweitschlechteste für die SPD.

Es gab also eigentlich nichts zu Feiern für die Sozialdemokraten. Denn Hannelore Kraft steht mit leeren Händen da. Will sie nicht mit den chaotischen Linken regieren, besitzt sie nicht die erhoffte Mehrheit.

Trotzdem knallten die Sektkorken, und die Sozialdemokraten in Düsseldorf und Berlin schäumten vor Schadenfreude über die Niederlage der CDU. In redseliger Selbstbeweihräucherung vernebelten sie die Wahrheit dieses Wahlabends und berauschten sich in konsequenter Realitätsverweigerung.

Dabei ist es genau das, was die Menschen bei den Politikern so satt haben, diese durch nichts gerechtfertigte Selbstgefälligkeit, dieses Schönreden offensichtlich verkorkster Situationen.

Genau damit übrigens hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in nur wenigen Wochen Rüttgers den Sieg vermasselt. Wider besseres Wissen wollte sie den Deutschen weismachen, sie müssten keinen Cent für die griechische Haushaltsmisere zahlen. Dann behauptete sie, wenn es nur um Griechenland gegangen wäre, hätte sie der Hilfe nicht zugestimmt. Es gehe ausschließlich um deutsche Interessen.

Geglaubt hat es ihr am Ende niemand mehr. Dafür hat es Rüttgers geschadet. Seine Skandälchen taten ein Übriges.

Die SPD wollte gar noch gewiefter sein als Merkel. Lange Zeit sagte sie weder Ja noch Nein zur Griechenlandhilfe. Und als klar wurde, dass der Bundestag in der Woche vor der NRW-Wahl darüber abstimmen würde, enthielt sich die SPD. Ein dilettantisches, ein peinliches Manöver, weil die Absicht nur zu offensichtlich war. Die SPD hoffte, von dieser Entscheidung bei der Landtagswahl profitieren zu können.

Doch der Wähler hat es durchschaut. Nun wird die SPD mit dieser sinnlosen Peinlichkeit, eine historische europäische Abstimmung im Bundestag für eine Wahltaktik missbraucht zu haben, in die Geschichtsbücher eingehen.

Hat die neue SPD-Spitze um Sigmar Gabriel ernsthaft geglaubt, sie könnte mit solchen Tricksereien das verlorene Vertrauen der Menschen zurückgewinnen? Welch ein Selbstbetrug!

Dabei suchen die Menschen ganz offensichtlich eine Alternative links von CDU und FDP, die vielen Wählern immer noch zu wirtschaftsliberal, zu nah an den Finanzmärkten sind. In zahllosen Umfragen drückt sich eine tiefe Sehnsucht nach einer Regierung aus, die glaubhaft für soziale Sicherheit im Land eintritt, die Arbeitsplätze schützt und internationale Spekulanten in die Schranken weist.

Die SPD gibt vor, all dies zu wollen. Auf inzwischen unzähligen Parteitagen hat sie sich in immer neuen Papieren selbst versichert, Sprachrohr und Interessenverwalter all dieser Menschen zu sein. Nur sehen die Menschen all das nicht mehr in der SPD. Auch das gehört zur Wahrheit des Wahlergebnisses von Nordrhein-Westfalen.

Jede Wahl spiegelt die Ängste und Sehnsüchte der Menschen. Insofern ist Votum von Nordrhein-Westfalen ein Ruf nach der bereits beschriebenen linken Politik. Und es hätte, würde die SPD ihren eigenen Ansprüchen gerecht, eine klare Mehrheit für die SPD dabei herauskommen müssen.

Stattdessen aber sind die Wähler zu den Grünen und in einiger Verzweiflung gar zu dem chaotischen Landesverband der Linkspartei abgewandert. Und noch mehr sind zu Hause geblieben, weil ihnen keine dieser Parteien mehr eine Heimat ist.

Der Wahlausgang in Nordrhein-Westfalen ist kein Erfolg für die SPD, er bestätigt vielmehr das ungebrochene Misstrauen gegen die Partei.