Stasi-Fall Kurras

Birthler weist "rätselhafte" Vorwürfe zurück

Wegen der späten Erkenntnisse über die IM-Tätigkeit von Karl-Heinz Kurras steht die Stasi-Unterlagenbehörde in der Kritik. Behördenchefin Marianne Birthler verteidigt sich: Die Akte über Kurras sei frei zugänglich gewesen. Zudem habe ihre Behörde schon ausführlich zu West-Aktivitäten der Stasi geforscht.

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Wegen der späten Erkenntnisse über die IM-Tätigkeit von Karl-Heinz Kurras steht die Stasi-Unterlagenbehörde in der Kritik. Behördenchefin Marianne Birthler verteidigt sich: Die Akte über Kurras sei frei zugänglich gewesen.

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Seit bekannt ist, dass Karl-Heinz Kurras in West-Berlin für die Stasi spitzelte, muss sich die Birthler-Behörde vie Kritik anhören. Warum dauerte es mehr als 40 Jahre, bis die Stasi-Tätigkeit des Mannes bekannt wurde, der Benno Ohnesorg erschoss? Gibt es Mängel bei der Aufklärung der Spionage, die die Stasi im Westen betrieb?

Nein, sagt jetzt Marianne Birthler. Die Bundesbeauftragte für die Stasiunterlagen weist die Vorwürfe gegen ihre Behörde zurück. Die Anschuldigungen seien „erstaunlich“ und „rätselhaft“, sagt Birthler bei der Vorstellung ihres Tätigkeitsberichtes. Die Machenschaften des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit im Westen hätten immer einen „hohen Stellenwert“ in ihrem Haus gehabt. Zugleich betont Birthler: „So wichtig die West-Themen sind“, es seien nicht die einzigen, die die Behörde zu bearbeiten habe.

Auch im konkreten Fall des früheren West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras wehrt sich Birthler erneut gegen Kritik. Die Akte des Todesschützen von Benno Ohnesorg wäre „verfügbar“ gewesen, sei aber von niemandem angefordert worden, auch nicht von Autoren einschlägiger Publikationen zu dem Fall. „Ich werfe denen das nicht vor“, betont Birthler. Schließlich hätte man zunächst auf die Idee kommen müssen, dass solche Verstrickungen vorhanden gewesen seien.

Auch Birthlers Amtsvorgänger Joachim Gauck weist die Vorwürfe zum Fall Kurras zurück. Die Behörde sei überwiegend damit beschäftigt, etwa Anträge von Bürgern auf Akteneinsicht zu bearbeiten, so Gauck im NDR. Er verwies zudem darauf, dass die Forschungsabteilung der Birthler-Behörde, die selbst Vorgänge wie den Fall Kurras untersuchen könnte, sehr klein sei.

Ein Zufallsfund in der Birthler-Behörde hatte vor wenigen Tagen ergeben, dass Kurras seit 1955 mit der Stasi zusammenarbeitete und seine Auftraggeber über Jahre hinweg mit Interna der West-Berliner Polizei versorgt haben soll. Kurras hatte den Studenten Ohnesorg am 2. Juni 1967 am Rande einer Demonstration gegen den persischen Schah erschossen.

Birthler hält die Arbeit ihrer Behörde auch 20 Jahre nach dem Mauerfall für unverzichtbar. Eine große Zahl von Menschen wolle die eigene Akte einsehen. „Das steigt gerade wieder an. Wir hatten in den ersten Monaten des Jahres pro Monat über 10.000 Anträge.“ Hinzu kämen viele Anfragen von Journalisten und Wissenschaftlern. Auch in der Bildungsarbeit gebe es noch viel zu tun, sagte sie im ARD-"Morgenmagazin".

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