Der Ausgang der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen weckt Erinnerungen an die hessische Wahl im Januar 2008: Damals fühlten sich die Hessen-SPD und ihre Vorsitzende Andrea Ypsilanti auch als moralische Sieger, lagen am Ende aber wie die NRW-SPD hauchdünn hinter der CDU. Der empfundene Triumph endete später für die SPD in einem Desaster, als Ypsilanti mit dem Versuch scheiterte, eine von den Linken tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung zu bilden.

Zwischen Hessen und NRW gibt es neben vielen Parallelen allerdings auch entscheidende Unterschiede.

Das Wahlergebnis deckt sich in entscheidenden Punkten. Auch in Hessen spielte sich vor gut zwei Jahren ein Wahlkrimi ab. SPD und CDU lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die SPD jubelte, die CDU mit Ministerpräsident Roland Koch an der Spitze war nach dramatischen Verlusten der eindeutige Verlierer. Doch am Ende lag die CDU bei 36,8 Prozent und die SPD denkbar knapp mit 36,7 Prozent dahinter.

In NRW kam die Union mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers als Wahlverlierer am Sonntag auf 34,6 Prozent, die SPD mit Spitzenkandidatin Hannelore Kraft auf 34,5 Prozent.

Ähnlich wie in Hessen können die Parteien in Nordrhein-Westfalen ihre Wunschkoalitionen nicht bilden: Es gibt weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün eine Mehrheit. Theoretisch möglich sind in NRW eine große Koalition, eine rot-grün-rotes Bündnis, eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP oder ein Jamaika-Bündnis aus CDU, FDP und Grünen. Diese Optionen bestanden auch in Hessen, wobei Ampel und Jamaika sich letztlich als unmöglich erwiesen. Diese Koalitionen werden bisher auch in NRW ausgeschlossen.

Damit bleiben nur noch eine große Koalition und ein Linksbündnis - und an dieser Stelle beginnen die entscheidenen Unterschiede zwischen Nordrhein-Westfalen und Hessen.

In Hessen galt eine große Koalition von Anfang an als äußerst schwierig. Die SPD schloss diese Möglichkeit nach der Wahl auf einem Parteitag sogar explizit aus. Gegen ein Linksbündnis stand das Wahlkampf-Versprechen Ypsilantis, nicht mit den Linken zusammenzuarbeiten.

Als sie dann doch eine von den Linken tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung anstrebte, wurde ihr Wortbruch vorgeworfen. Ihr Plan scheiterte schließlich am Widerstand aus den eigenen Reihen. Es kam deshalb zu Neuwahlen im Januar 2009, aus denen CDU und FDP als klare Sieger hervorgingen.

In Nordrhein-Westfalen sieht die Situation anders aus. Weder eine große Koalition noch ein rot-grün-rotes Bündnis wird von einer Seite kategorisch ausgeschlossen. Lediglich ein Tolerierungsmodell wie in Hessen lehnt SPD-Spitzenkandidatin Kraft eindeutig ab. Im Wahlkampf nannte sie die Linken zwar weder regierungs- noch koalitionsfähig, vermied aber ein eindeutiges Nein zu dieser Option. Ihr könnte also im Gegensatz zu Ypsilanti zumindest kein Wortbruch vorgeworfen werden.

Eine große Koalition gilt in Düsseldorf ebenfalls als denkbare Variante. Wie in Hessen ist diese aber in Nordrhein-Westfalen dadurch deutlich schwieriger geworden, dass die CDU am Ende 6000 Stimmen vor dem gefühlten Wahlsieger SPD lag.

AFP