Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist Rot-Grün möglich. Am Sonntagabend gehen sowohl ARD als auch ZDF in ihren Hochrechnungen gegen 19.20 Uhr davon aus, dass im Düsseldorfer Landtag künftig eine Mehrheit von SPD und Grünen möglich ist. Beide Sender ermittelten für diese Koalition die notwendige absolute Mehrheit der Sitze.

Laut Hochrechnungen kamen die Christdemokraten unter NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers auf 34,1 Prozent (ARD) beziehungsweise 34,3 Prozent (ZDF). Für die FDP ermittelten die Wahlforscher 6,9 (ARD) beziehungsweise 6,7 Prozent (ZDF). Damit ist klar, dass die bisherige Koalition in NRW abgewählt worden ist.

Die NRW-SPD unter Hannelore Kraft erreichte den Angaben zufolge 34,4 (ARD) oder 34,5 Prozent der Wählerstimmen (ZDF). Die Grünen legten gegenüber der letzten Landtagswahl deutlich zu auf 12,3 Prozent (ARD und ZDF). Die Linkspartei kann mit 5,7 Prozent der Stimmen (2005: WASG 2,2/PDS 0,9) erstmals nach einer Wahl in den Landtag einziehen. Sie war bislang im Düsseldorfer Parlament mit einem fraktionslosen Abgeordneten vertreten.

Laut ZDF kann die CDU mit 67 Sitzen im Düsseldorfer Landtag rechnen. Die SPD käme auf 68 Sitze, die Grünen auf 24. Damit wäre rechnerisch die notwendige Mehrheit von 92 Sitzen erreicht. Für die FDP werden 13 und für die Linken 11 Sitze vorausgesagt.

Die erste rot-grüne Landesregierung wurde 1985 in Hessen gebildet. Unter dem damaligen Ministerpräsidenten Holger Börner (SPD) übernahm der spätere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) das Umweltressort. Das Bündnis scheiterte am Streit um die Atompolitik; zu einer Neuauflage kam es von 1991 bis 1999.

Zu rot-grünen Bündnissen kam es danach auch in mehreren anderen Bundesländern. In Nordrhein-Westfalen ging die SPD 1995 nach 15 Jahren Alleinregierung eine Koalition mit den Grünen ein. Fünf Jahre später kam es zu einer Wiederauflage des Bündnisses, das dann 2005 von CDU und FDP abgelöst wurde.

Im Bund übernahmen SPD und Grüne 1998 die Macht, als sie bei der Bundestagswahl die schwarz-gelbe Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) ablösten. 2002 wurde die Koalition bestätigt. Bei der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 wurde Rot-Grün von einer großen Koalition abgelöst.

Seit dem Ende der gemeinsamen Bundesregierung sind Bündnisse von SPD und Grünen in Deutschland dünn gesät.

Schwierig erschienen zuletzt dagegen Dreierbündnisse zusammen mit den Linken. Rechnerisch mögliche Ansätze für rot-grüne Regierungen mit Unterstützung oder Beteiligung der Linken scheiterten in Hessen, Thüringen und im Saarland jeweils aus unterschiedlichen Gründen oder an Vorbehalten zumindest eines der denkbaren Partner – besonders spektakulär 2008 in Hessen mit SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti.

In Berlin entschied sich SPD-Regierungschef Klaus Wowereit 2006 lieber für die Fortsetzung der Koalition mit der Linken als für ein rechnerisch mögliches Zusammengehen mit den Grünen.

WON/AFP/omi