Franz Müntefering tritt von seinen Ämtern zurück, um für seine Frau da zu sein. In seiner ersten Stellungnahme nach Ankündigung des Rücktritts erklärte der bisherige Arbeitsminister und Vizekanzler, er werde in der kommenden Woche das Kabinett verlassen. Der wahrscheinlichste Termin dafür sei der 21.11. (Mittwoch).
"Die Grund ist rein familiär und persönlich", sagte Müntefering während der Pressekonferenz. Seine Frau sei "seit geraumer Zeit erheblich erkrankt". In den letzten Wochen sei eine schwierige Operation nötig gewesen, "die fünfte seit 2001". „Es wird eine lange Phase der Reha geben, und ich möchte dabei sein.“ Es lasse sich nicht vereinbaren, gleichzeitig bei seiner Frau zu sein und ein Ministerium zu leiten. Ersteres sei jetzt sei seine wichtigste Aufgabe.
"Ausdrücklich" wehrte sich Müntefering gegen Behauptungen, es gebe einen politischen Grund für seinen Rücktritt. Er fühle sich weiterhin "stark genug", politische Kämpfe auszufechten, und sei "nicht müde". Und überhaupt sei das, was er tue, "kein Abschied, kein Ausstieg" aus der Politik - schließlich bleibe er im Bundestag.
16 Jahre habe er in hohen politischen Positionen verbracht, resümierte Müntefering. "Ich bin ganz zufrieden", sagte er. Die Entscheidung zum Rücktritt sei ihm keine, die leichtfalle. Möglicherweise werde er 2008 wieder mehr Zeit für die Politik haben. Lobend äußerte er sich zu seinem wahrscheinlichen Nachfolger im Amt des Arbeitsministers, Olaf Scholz: Der parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion - oder wie Müntefering sagt: "der Olaf" - sei "dicht am Thema dran".
Auch die Entscheidung, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier Vizekanzler werden solle, sei gut. Die Entscheidungen hätten in den Händen von SPD-Chef Kurt Beck gelegen. Er habe am Sonntag zuerst seinen langjährigen Berater Kajo Wasserhövel über seine Absichten informiert, sagte Müntefering. Beck habe er am Montag gegen 17 Uhr unterrichtet, eine Stunde vor den Vorgesprächen zum Treffen des Koalitionsausschusses, um diesen nicht zu belasten. Auch SPD-Fraktionschef Peter Struck sei noch am Montag informiert worden. Am Dienstagmorgen habe er dann Bundeskanzlerin Angelas Merkel unterrichtet, berichtete Müntefering.
dpa/AP/cn





