Der Vulkan-Staub aus Island hat den Transport der fünf in Afghanistan verletzen Bundeswehrsoldaten nach Ulm und Koblenz verhindert. Die Männer werden nun nach Istanbul fliegen. Dort müssen sie bleiben, bis die Aschewolke über Europa ihren Weitertransport nach Deutschland ermöglicht, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin. Minister Karl-Theodor zu Guttenberg begleite die Soldaten in dem speziell für Verletzten-Transporte ausgestatteten Medevac-Airbus. In Istanbul würden die fünf Soldaten in einem Krankenhaus versorgt, bis der Weiterflug nach Deutschland möglich sei.

Ursprünglich sollte die Bundeswehrmaschine nach Angaben von Adametz zunächst in Stuttgart landen, von wo aus zwei der Verletzten nach Ulm gebracht werden sollten, und dann nach Köln/Bonn weiterfliegen, ums die drei anderen nach Koblenz zu bringen.


Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat erneut zu mehr Realitätssinn für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr aufgerufen. „Der Einsatz in Afghanistan ist gefährlich, er bleibt gefährlich“, sagte er im usbekischen Termes. „Wir müssen die Realitäten in Afghanistan offen benennen.“


Der Minister begleitet die fünf verletzten Soldaten. Drei von ihnen seien ansprechbar. „Sie sind bereits wieder sehr stabil, und der eine oder andere sogar zu Scherzen aufgelegt. Es ist eine tolle Truppe.“

Vier Verletzte kamen mit Guttenberg zusammen in einer Transall-Transport-Maschine von Masar-i-Scharif nach Termes. Ein fünfter wurde von Kundus mit einem Hubschrauber eingeflogen. Mit Tragen wurden die Verletzten in einen Sanitäts-Airbus gebracht.

Guttenberg verteidigte erneut das Afghanistan-Mandat. Er verwies allerdings darauf, dass die Mandatierung „mit heruntergeschraubten Zielsetzungen“ erfolgt sei. „Wir können gewisse Ziele in Afghanistan nicht erreichen. Wir werden dort keine Westminister-Demokratie herstellen“, sagte er.

Die SPD plädiert angesichts der tödlichen Gefechte in Afghanistan dafür, die Vernehmung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) im Kundus- Untersuchungsausschuss zu verschieben. Die Unionsfraktion sieht nach Angaben eines Sprechers keinen Grund für einen solchen Schritt. Nach bisheriger Planung soll Guttenberg am Donnerstag vernommen werden.

Der Kundus-Untersuchungsausschuss des Bundestages soll die Hintergründe eines Luftangriffs in Nordafghanistan klären, den ein Bundeswehroberst befohlen hatte. Dabei waren am 4. September 2009 bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden.


Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, sagte der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“: „Ich halte es für nicht besonders pietätvoll, wenn es fast zeitgleich zur Beerdigung der toten Soldaten zur Vernehmung des Ministers im Ausschuss und zu einer entsprechenden Wahrnehmung in der Öffentlichkeit kommt.“

Arnold forderte die anderen Fraktionen auf, einer Verschiebung zuzustimmen. Es solle kein „Streit über die offenen Gräber der Soldaten“ hinweg geführt werden. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Siegfried Kauder sagte der Zeitung, er halte Arnolds Argumentation für bedenkenswert, wollte sich aber noch nicht festlegen.


Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Steffen Moritz, sagte, Guttenberg sei „darauf vorbereitet, entsprechend seiner Ladung am Donnerstag seine Aussage zu machen und wartet insofern darauf, dass das passiert oder dass sich der Ausschuss anders entscheidet“

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht keinen Anlass für grundlegende Änderungen.Die CDU-Vorsitzende stellte sich demonstrativ hinter den Einsatz, für den es nach allen Umfragen in der Bevölkerung keine Mehrheit gibt.

Wegen der Vulkanasche musste der Regierungsflieger mit Bundeskanzlerin Merkel an Bord nach Lissabon umgeleitet werden. Wie ein Regierungssprecher mitteilte, sollte der Airbus mit Merkels Delegation und den begleitenden Journalisten an Bord gegen 15.30 Uhr Ortszeit (16.30 Uhr MESZ) in Lissabon landen. Ursprünglich war Merkel auf der Rückkehr von ihrer einwöchigen Reise in die USA am Nachmittag in Berlin erwartet worden.

Die Entscheidung zur Landung in Lissabon sei aufgrund der Witterungsumstände und der für den europäischen Luftraum geltenden Regeln getroffen worden, teilte die Bundesregierung weiter mit. Die Deutsche Botschaft in Lissabon bereite derzeit die Unterbringung der Bundeskanzlerin und aller Mitreisenden vor. Merkel und ihre Delegation könnten aufgrund der notwendigen Ruhepause für die Crew frühestens Samstagmittag weiterreisen.

dpa/AFP/gr