Und der Tempel war voll Rauch ... und die Menschen wurden versengt … und das Reich ward verfinstert … und ein großer Hagel wie Zentnerstücke fiel vom Himmel auf die Menschen.“ So beschreibt die Offenbarung des Johannes den Anbruch der Apokalypse, und es fällt nicht schwer, darin Erfahrungen von Vulkanausbrüchen gespiegelt zu sehen.
Bereits in den frühesten Erzählungen der Menschheit finden sich Spuren solcher Naturkatastrophen. Denn sie betrafen nicht nur Einzelne, sondern ganze Städte, Reiche, Zivilisationen.
Schon der griechische Philosoph Platon (427–347) verbindet den Mythos von Atlantis mit dem Gebot der Gottesfurcht: Wegen der Hybris ihrer Herrscher wurde die Insel von Feuer und Wasser verschlungen.
Man hat in dieser Geschichte eine Erinnerung an die Eruption des Vulkans Santorin in der Ägäis sehen wollen, der um 1600 v. Chr. explodierte. Damals soll mindestens die Stadt Akrotiri zerstört worden sein, durch die Flutwellen aber womöglich auch die gesamte minoische Zivilisation.
Über den berühmtesten Vulkanausbruch der Geschichte sind wir besser informiert. Als am 24. August des Jahres 79 n. Chr. der Vesuv ausbrach, zögerte der römische Naturforscher und Flottenkommandant Plinius nicht, sich das Schauspiel aus der Nähe anzusehen. Die Darstellung seines Aufstiegs und Tods durch seinen Neffen ist die früheste Dokumentation eines Vulkanausbruchs.
Damals wurden die Städte Pompeji, Herculaneum, Oplontis und Stabiae unter Asche, Bimsstein und Schlammströmen begraben. Damit wurden einzigartige Zeugnisse aus dem Leben der antiken Welt konserviert.
Doch während der Kaiser die Folgen des Vesuv-Ausbruchs schnell in den Griff bekam, veränderten Eruptionen auf Island 1783–85 die politische Landkarte des Kontinents nachhaltig.
Nicht nur, dass ein Drittel der Inselbevölkerung starb. Es hörte zudem für Jahre kaum noch auf zu regnen in Europa. Eine Aschewolke brachte Kälte und Misswuchs.
Das Ergebnis: Der Brotpreis stieg. Zugleich kollabierte die Wirtschaft. Doch Ludwig XVI., der überschuldete König von Frankreich, war hilflos. Am 14.Juli 1789, als der Brotpreis seinen höchsten Stand erreichte, stürmte das Volk von Paris die Bastille. Die Revolution, die zum Weltereignis wurde, begann und spülte das Ancien Régime hinweg.
Eine gänzlich andere welthistorische Rolle spielte die Explosion der indonesischen Insel Krakatau am 27. August 1883. Damals sollen mehr als 36.000 Menschen getötet worden sein.
Die Geräusche der Eruption, deren Sprengkraft auf bis zu 100.000 Hiroshima-Bomben geschätzt wird, waren bis ins 3100 Kilometer entfernte Perth zu hören.
Bahnbrechend aber war die Explosion für ein Medium: Die telegrafischen Berichte erreichten Europa, bevor die Flutwelle dort bemerkt wurde. So wurde der Zusammenhang erkannt. Krakatau markiert damit einen frühen Meilenstein der Globalisierung.
M.St./see





