Der Machtkampf zwischen Regierung und Opposition in Thailand ist dramatisch eskaliert. In der Hauptstadt Bangkok wurden bei Straßenschlachten zwischen Soldaten und aufgebrachten Regierungsgegnern nach Angaben von Rettungskräften mindestens 90 Menschen verletzt. Am Samstag hatten Oppositionelle den Asean-Gipfel im Badeort Pattaya gestürmt und die anwesenden Staats- und Regierungschefs zur Flucht gezwungen.


Die "Rothemden", wie die Anhänger des 2006 abgesetzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra nach der Farbe der Opposition genannt werden, lieferten sich am Montag in Bangkok ein Katz- und Maus-Spiel mit Soldaten, wie AFP-Reporter berichteten. Immer wieder wurden Demonstranten auseinander getrieben und versammelten sich an anderen Orten erneut.


Die Armee gab mehrmals Warnschüsse ab und setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein, die ihrerseits Steine und Molotow-Cocktails auf die Sicherheitskräfte schleuderten. Regierungsgegner setzten mehrere Busse in Brand oder steuerten in gestohlenen Bussen auf die Soldaten zu.


Der im Exil lebende Thaksin warf der Regierung vor, den Tod vieler Demonstranten zu verschweigen. Die Armee habe Regierungsgegner in die Enge getrieben, viele von ihnen erschossen und die Leichen danach verschwinden lassen, sagte er dem US-Sender CNN von einem unbekannten Ort aus. Nachdem er seine Anhänger vorher wiederholt zu einer "Volkrevolution" aufgerufen hatte, mahnte Thaksin nun zum Gewaltverzicht.


Bisher kamen offiziellen Angaben zufolge zwei Menschen ums Leben.

Armee ist zu allem entschlossen

Die Armee verstärkte ihre Präsenz in der Nähe des Amtssitzes von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva, wo sich nach Angaben eines Offiziers etwa 4000 Oppositionelle aufhielten.


Die Armee wollte demnach alle Protestteilnehmer an einen Ort treiben, um den Zustrom weiterer Demonstranten zu verhindern. In der Gegend nahe dem Regierungssitz ging ein Gebäude des Bildungsministeriums in Flammen auf, nachdem dort laut einem Wachmann mehrere Molotow-Cocktails explodiert waren.


Armeechef Songkitti Jaggabatara sagte, die Streitkräfte würden alle durch den Ausnahmezustand erlaubten Maßnahmen ergreifen, um wieder Ruhe herzustellen. Die Armee wolle vermeiden, Gewalt gegen Landsleute anzuwenden. "Aber wir behalten uns unser Recht auf Nutzung unserer Waffen zur Selbstverteidigung vor."


Abhisit hatte am Sonntag den Ausnahmezustand für Bangkok ausgerufen, nachdem die Demonstrationen in der Hauptstadt zunehmend gewaltsam wurden.


Die Armee schickte Panzer in die Straßen der Hauptstadt, griff aber erst Montag ein. Häfen, Flughäfen und Bahnhöfe wurden seit Montag verstärkt gesichert, wie ein Regierungssprecher im Fernsehen sagte.


Abhisit appellierte am Montag in einer Fernsehansprache an die Demonstranten, sich zurückzuziehen. Am Samstag hatte Abhisit vorübergehend über den Badeort Pattaya und dessen Umgebung den Ausnahmezustand verhängt, nachdem dort hunderte Regierungsgegner mit der Erstürmung des Veranstaltungsortes den Abbruch des Gipfels der Südostasiatischen Staatengemeinschaft (ASEAN) erzwungen hatten.


Die Staats- und Regierungschefs verließen den Ort fluchtartig.

Angesichts der politischen Unruhen warnten zahlreiche Staaten ihre Landsleute vor Reisen nach Thailand. Das Auswärtige Amt in Berlin riet von nicht notwendigen Fahrten in das Urlaubsland ab und riet dazu, Menschenansammlungen in Bangkok zu meiden. Eine offizielle Reisewarnung sprach das Auswärtige Amt aber bis zum Montagnachmittag nicht aus.


Abhisit ist derzeit mit der größten Krise seit seinem Amtsantritt im Dezember konfrontiert. Thailand kommt seit der Absetzung von Thaksin im September 2006 nicht zur Ruhe und hat zahlreiche Regierungswechsel und gewaltsame Proteste hinter sich. Noch im November 2008 hatten "Gelbhemden" massiv gegen die damalige Regierung aus dem Thaksin-Lager protestiert. Sie blockierten unter anderem acht Tage lang den internationalen Flughafen von Bangkok.

AFP/AP/fsl