Italien

Berlusconi plant G-8-Gipfel im Erdbebengebiet

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Um der durch das Erdbeben vom 6. April zerstörten Region Abruzzen einen Infrastrukturschub zu verpassen, hat Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi auf einer Kabinettssitzung einen überraschenden Entschluss gefasst: Die G-8-Staatschefs sollen in L'Aquila tagen, wo die Menschen derzeit in Zelten leben.

Der für Juli vorbereitete G-8-Gipfel soll von der italienischen Insel La Maddalena in die stark von einem Erdbeben heimgesuchte Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila verlegt werden. Diesen überraschenden Beschluss fasste das Kabinett von Regierungschef Silvio Berlusconi in L'Aquila.


Es tagte dort in einer außerordentlichen Sitzung, um ein Regierungsdekret über 8,5 Milliarden Euro für den Wiederaufbau der Region zu billigen.

Berlusconi nannte diese Entscheidung für L'Aquila als Gipfelort „ein positives Signal für die mehr als 60.000 Menschen in den provisorischen Zeltstädten“. Zudem könnten so 220 Millionen Euro gespart werden. Die linke Opposition bezeichnete die Verlegung als unbesonnene Effekthascherei.

Das Erdbeben vom 6. April hatte 295 Menschen getötet und Zehntausende obdachlos gemacht. 2008 hatte Berlusconi mit der später aufgegebenen Idee Schlagzeilen gemacht, den Gipfel nach der Müllkrise in Neapel in die Stadt am Vesuv zu legen.

Auf La Maddalena vor Sardinien könne dafür der von US-Präsident Barack Obama für den Herbst angestrebte Umweltgipfel organisiert werden, bot Berlusconi an. Er wird zu dem Beschluss seiner Regierung alle G-8-Staatschefs konsultieren müssen.


Die Infrastruktur für den Gipfel ist laut Berlusconi in L'Aquila trotz aller Zerstörungen durchaus vorhanden. Italien hat in diesem Jahr die Präsidentschaft der Gruppe der acht führenden Industrienationen inne.


I'talienischen Medienberichten zufolge hat die Regierung bereits Probleme mit der Organisation des Gipfels auf La Maddalena. Unter anderem seien die notwendigen Schiffe schwer aufzutreiben, auf denen die Delegierten und Journalisten untergebracht werden sollten.

L'Aquila liegt rund eine Stunde Fahrtzeit von Rom entfernt. Berlusconi zufolge könnte der G-8-Gipfel in der gleichen Militärakademie stattfinden, in der die Kabinettssitzung stattfand. Das Gebäude wurde bereits in eine Zentrale für die Rettungsbemühungen nach dem verheerenden Beben vom 6. April umgewandelt.


Die geplante Wiederaufbauhilfe soll nach Angaben von Finanzminister Giulio Tremonti aus bereits vorhandenen Fonds sowie Lotterien und Wetten finanziert werden. Ein erster Betrag von 700 Millionen Euro soll für den Bau von vorübergehenden Unterkünften verwendet werden. In ersten Schätzungen hatte die Regierung erklärt, der Wiederaufbau werde rund zwölf Milliarden Euro kosten. Tremonti erklärte jedoch, die Gesamtsumme stehe bislang noch nicht fest.

Bei dem Erdbeben wurden 295 Menschen getötet, 50.000 verloren ihre Wohnungen. Tausende Gebäude in und um L'Aquila stürzten ein oder wurden schwer beschädigt.

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( dpa/AP/dcs )