Im Zentrum der Kritik stand Walter Mixa schon oft. Ob Abtreibung, Kinderkrippen oder Kapitalismus-Schelte – mit zugespitzten Äußerungen sorgt der Augsburger Bischof seit Jahren regelmäßig für Aufregung. Diesmal jedoch geht es um ihn selbst: Ehemalige Heimkinder werfen Mixa vor, er habe sie in den 70er- und 80er-Jahren als Stadtpfarrer von Schrobenhausen geschlagen.

Mixa selbst erklärte am Donnerstag, er habe „zu keiner Zeit gegen Kinder und Jugendliche körperliche Gewalt in irgendeiner Form angewandt“. Sein Bistum wertete die Vorwürfe als „Versuch der Diffamierung“ und auch die Deutsche Bischofskonferenz stellte sich hinter Mixa.

Es ist die vermutlich schwierigste Situation in der Karriere des 68-jährigen Theologen. Zwar dürfte Mixa Anfeindungen gewohnt sein, doch bislang bezog sich die Kritik auf seine Worte zu aktuellen Themen und nicht auf mögliche Taten aus seiner Vergangenheit. Schon Mitte Februar sorgte der Bischof in der Missbrauchsdebatte für negative Schlagzeilen, als er in einem Interview „die sogenannte sexuelle Revolution“ als „sicher nicht unschuldig“ an den Vergehen an Kindern und Jugendlichen bezeichnete.

Seit Jahren profiliert sich Mixa als Wortführer der Konservativen in der katholischen Kirche und lässt sich dabei auch von Protest aus den eigenen Reihen nicht beirren. Vor drei Jahren wandte er sich gegen den Krippenausbau der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) mit dem Argument, Frauen könnten zu „Gebärmaschinen“ degradiert werden. Vor einem Jahr zog er in seiner Osterpredigt gegen den Atheismus zu Felde, indem er die Nazi-Verbrechen als Beweis dafür bezeichnete, dass „praktizierender Atheismus“ unmenschlich sei.

Davor sorgte er für Empörung, als er Holocaust und Abtreibung in einem Atemzug nannte. Den daraufhin laut gewordenen Vorwurf, er verharmlose den Massenmord an den Juden, wies er entschieden zurück. Von sich reden machte Mixa auch, als er 2003 einen Priester wegen der Teilnahme an einem gemeinsamen Abendmahl mit Protestanten beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin suspendierte.

Als „Reaktionär“ oder „Hardliner“ möchte der am 25. April 1941 im oberschlesischen Königshütte geborene Mixa aber nicht bezeichnet werden. „Das tut mir weh“, sagte er in einem Interview. Zugleich fügte er aber selbstbewusst hinzu: „Ich gehöre nicht zu denen, die gern von einem 'einerseits und andererseits' reden, wenn man lieber klar sein sollte.“

Bundesweit bekannt wurde Mixa nicht zuletzt durch die im Jahr 2000 übernommene Funktion des Militärbischofs. Auch als solcher scheute er das offene Wort nicht: Dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush warf er wegen dessen religiös motivierter Rechtfertigung des Irak-Kriegs „Missbrauch der Religion“ vor. Mit solchen Äußerungen erntet er wiederum breite Zustimmung in der Öffentlichkeit – ebenso wie mit seiner Kritik an Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit im Kapitalismus oder dem „ausbeuterischen Preisdumping“ zu Lasten der Milchbauern.

Mixa war 1970 zum Priester geweiht worden, 1996 ernannte Papst Johannes Paul II. ihn zum Bischof des kleinen Bistums Eichstätt. Dort kümmerte er sich insbesondere um Ehen und Familien sowie um Jugendarbeit und Nachwuchsförderung. Im Konflikt um die Schwangerenberatung entschied er sich 1999 schneller als seine Kollegen aus anderen Diözesen zum Ausstieg aus der staatlichen Beratung entsprechend der Maßgabe des Vatikans.

2005 wurde Mixa neuer Bischof von Augsburg. Dass es nicht für das bedeutendere Erzbistum München reichte, war Medienberichten zufolge nicht zuletzt Folge eines Zwischenfalls an der mazedonischen Grenze Ende 2001: Damals entdeckte der Zoll rund 400.000 Mark in bar bei Mixa, die dieser auf Bitten mazedonischer Amtsbrüder nach Deutschland schaffen sollte.

AFP